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Jüdische Erinnerungsdiskurse in der frankophonen Migrationsliteratur Quebecs

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Yvonne Völkl

Die Studie erforscht die narrativen Verfahren zur Darstellung der Inhalte und Funktionsweisen von Erinnerung und Gedächtnis in den Werken jüdischer
Migrationsautoren innerhalb der Quebecer écritures migrantes. Das Textkorpus umfasst Romane von bereits kanonisierten Schriftstellern – Monique Bosco, Naïm Kattan, Régine Robin – sowie von weniger bekannten Autoren – Pierre Lasry, Victor Teboul, Marc-Alain Wolf. Auf der Grundlage von kultur- und
literaturwissenschaftlichen Gedächtniskonzepten wird dargelegt, welche Gedächtnisinhalte wiederholt zur Sprache kommen, wann Erinnerungsprozesse zum Vorschein treten und wie diese mit rezeptionsästhetischen Mitteln umgesetzt werden. Überdies wird auf die Rolle der franko-jüdischen Migrationsliteratur innerhalb der Quebecer Erinnerungskulturen eingegangen.

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5 Erinnerung an die Ankunft in der Stadt

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Städte sind Orte der Begegnung, an denen Menschen unterschiedlicher Ethnien, Geschlechter und Klassen zusammenkommen. Diese Agglomerationen werden erstmals zur Zeit der industriellen Revolution Anziehungspunkt für die rurale Bevölkerung, da sie vermehrt Arbeitsplätze für die rasch ansteigende Population bieten.111 Durch den Bevölkerungszuwachs (gefolgt von Landflucht), den tech- nischen Fortschritt und einen Konjunkturaufschwung wird Mitte des 18. Jhs. in England ein Urbanisierungsprozess in Gang gesetzt, der sich im 19. Jh. auf ganz Europa ausdehnt. Dies hat zur Folge, dass „[…] zum ersten Mal seit dem 13. Jahrhundert die Besiedelung in Europa quantitativ und qualitativ tief greifend veränder[t wird]“ (Benevolo 1993: 184).112 Die urbane Landschaft weitet sich aus; um das Zentrum bildet sich eine weitläufige Peripherie, in der beliebig Wohnsiedlungen neben Fabriksanlagen gebaut werden. Ferner lässt sich die Tendenz der Aufgliederung der Stadt in Viertel beobachten, während die Aris- tokratie stets abseits des Proletariats residiert (cf. Benevolo 1983: 781ff., 801- 804; Benevolo 1993: 191).113 Heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in einer urbanen Region, wobei in den Industrieländern die 50 %-Marke bereits 1950 erreicht wurde (cf. De- partment of Economic and Social Affairs 2008: 1f.). Immer mehr Menschen drängt es in die faszinierende Großstadt, die Mégapolis (Robin 2009), in der es jeden Tag Neues zu entdecken gibt, da sie einem steten Wandel unterliegt. Ins- gesamt stellen städtische Ballungsräume dynamische Gebilde dar, die durch ihre Bewohner geformt werden; nicht nur architektonisch, sondern auch figurativ:...

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