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Der traurige Clown

Kurt Tucholskys Weg in das Schweigen

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Michael Segner

Kurt Tucholsky war einer der bekanntesten und wichtigsten politischen Publizisten und Satiriker der Weimarer Republik. Seine Beiträge entlarvten die Machenschaften der konservativen preußisch-deutschen Eliten in Politik, Justiz und Militär, die mit Hartnäckigkeit daran arbeiteten, die ungeliebte Demokratie zu einer Farce werden zu lassen. Tucholsky konnte mit den Tausenden von Beiträgen, die er während der kurzen Jahre der Weimarer Zeit in den unterschiedlichsten Zeitungen veröffentlichte, jedoch nicht den Rechtsruck und schließlich das Abgleiten in die Diktatur verhindern. Desillusioniert von der Wirkungslosigkeit seines Engagements für Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit verstummte der Autor und wählte schließlich, im Bewusstsein seines völligen Versagens, den Suizid. In dieser Veröffentlichung wird Tucholskys Weg in das Schweigen nachgezeichnet und den Gründen für sein Verstummen nachgegangen, welche nicht allein in dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu suchen sind.

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4. Tucholsky und das Judentum

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4.1. Annäherungsversuche an ein problematisches Feld Das Verhältnis von Tucholsky zu seinem Judentum ist ein wichtiger Aspekt, wenn man versuchen möchte, seine schriftstellerische Entwicklung und letztlich sein menschliches Scheitern zu verstehen. Man kann das Judentum eines Autors freilich in verschiedenerlei Hinsicht beleuchten, unter dem religiösen, dem poli- tischen, dem kulturellen Blickpunkt. Spätestens seit dem Holocaust ist die Zu- gehörigkeit eines Autors zum Judentum ein wichtiger Ansatzpunkt für den Zu- gang zu seinem Werk und seinem Leben. Tucholsky geriet bereits vor der Shoa in den Fokus der Aufmerksamkeit. Der Vorwurf des jüdischen Selbsthasses und des jüdischen Antisemitismus wurde ihm nicht erst unter dem Eindruck des Ho- locaust gemacht, sondern schon während der Weimarer Republik. Es handelt sich hierbei um ein Verdikt, das zur Folge hatte, dass bis 1994 die Werke des jüdischen Autors Kurt Tucholsky in Israel nicht erscheinen konnten. Er nimmt deshalb mit Sicherheit eine Sonderstellung unter den jüdischen Schriftstellern ein. Somit verlangt sein Verhältnis zu seinem Judentum und zum Judentum all- gemein eine eingehendere Betrachtung, als es vielleicht bei anderen Autoren jüdischer Herkunft von Nöten ist. Sein kompromissbereiter Versuch in seinen jungen Jahren in die (deutsche) Gesellschaft hineinzukommen und dort anzukommen, zeigt ein recht ambivalen- tes Bild des deutsch-jüdischen Bildungsbürgers Kurt Tucholsky. Bereits kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges tritt der keineswegs religiöse junge Mann nämlich am 1. Juli 1914 aus der Jüdischen Gemeinde aus. Im Sommer 1914...

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