Show Less

Literatur – Lesen – Lernen

Festschrift für Gerhard Rupp

Edited By Daniela A. Frickel and Jan Boelmann

Gerhard Rupp hat sich in seiner herausragenden Forschertätigkeit, zuletzt als Professor für Literaturwissenschaft (Didaktik der Germanistik) an der Ruhr-Universität Bochum, auf die Schwerpunkte Literatur – Lesen – Lernen konzentriert. Die versammelten Beiträge von Forscherkollegen, Weggefährten und Freunden aus verschiedenen Bereichen der Germanistik knüpfen an dieses Forschungsspektrum an. Perspektiviert werden unter anderem aktuelle Aspekte der empirischen Leseforschung, der Lesekompetenz, der Lesesozialisation sowie eines zeitgemäßen und handlungs- und produktionsorientierten Deutschunterrichts. Aber auch bildungspolitische Fragen und die Debatte um Bildungsstandards und (literarische und sprachliche) Kompetenzen werden hier verhandelt. Die literaturwissenschaftlichen Beiträge widmen sich überwiegend dem autobiographischen Schreiben, aber auch dem Thema interkulturelle Literatur. Der Band leistet damit auch einen Beitrag zu aktuellen Diskursen der repräsentierten Disziplinen, insbesondere aber der Deutschdidaktik.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Autobiographie als Institution.Eine Skizze mit zwei Nachspielen. Manfred Schneider

Extract

Autobiographie als Institution. Eine Skizze mit zwei Nachspielen Manfred Schneider Abstract Der Beitrag skizziert den institutionellen Grund der europäischen Autobiographie, seit 1215 die Ohrenbeichte zur jährlichen Pflicht erhoben wurde. Das kirchliche Gebot, die Beichte durch eine kontinuierlich geführte Sündenmemoria vorzubereiten, verdankt sei- ne Effektivität der von Beda Venerabilis eingeführte Montage des Kalenders mit den auf die Jahrestage verteilten Heiligenbiographien und dem täglichen Freiraum für eigene Einträge. Von den kalendarischen Heiligen-Anekdoten nimmt die Synonymie von Zählen und Erzählen ihren Ausgang. Spätestens im 18. Jahrhundert aber ist jeder aufgefordert, sein Leben zu (er)zählen. Jean Pauls und Friedrich Nietzsches Lebensgeschichten sind noch durchsichtig auf diese kalendarische Struktur und auf den institutionellen Grund des autobiographischen (Er)Zählens. Die erste Nachricht von Gerhard Rupps Forschungstätigkeit, die an mein Ohr drang, besagte, dass der junge Gelehrte Rupp sich im Foucaultschen Geiste mit den Schülerkritzeleien auf Schulbänken befasste. So lebensnahe und fundamentale Forschung zur Subversion des Wissens hat mich damals tief beeindruckt. Inzwischen wuchs meine Skepsis gegenüber der didaktischen Devise, dass man die Schülerinnen und Schüler dort abholen solle, wo sie sich gerne aufhalten (Internet, Fußballstadion, Disco, Facebook). Vermutlich prägen jene Ort tiefer, an denen man sich nicht gerne aufhält (Schule, Kir- che, Klinik, Gericht). Auf jeden Fall erblickte ich damals Gerhard Rupps und mein gemeinsames Interesse darin, Foucaults Fragen aufzunehmen und auf schulische und institutionelle Diskurse zu beziehen. Eine meiner prägenden...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.