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Ze lere den tumben

Hartmanns ‘Rede vom heiligen Glauben’

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Christine Kühn

Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen ausgezeichnet.

Diese Studie liefert erstmalig eine umfassende systematische Untersuchung und Bewertung der ‘Rede vom heiligen Glauben’ des Armen Hartmann. Eine zeit- und theologiegeschichtliche Einbettung verdeutlicht die Eigenständigkeit seiner volkssprachigen Erläuterung und Kommentierung des Credo sowie seine Konzessionen an den Zeitgeist. Die detaillierte Analyse entwirft das Bild eines theologisch versierten Autors, der in seinem vielfach unterschätzten Werk theologisch-ethische Sachkunde mit der Kenntnis aktueller Streitfragen verbindet und sie für ein Laienpublikum didaktisch aufbereitet. Hartmanns Werk erlaubt einen tiefen Einblick in den Gegenstandsbereich der mittelalterlichen theologischen Breitenbildung und eröffnet eine neue Sichtweise der frühmittelhochdeutschen ‘geistlichen Literatur’ des 11. und 12. Jahrhunderts.

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8 Ekklesiologie

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8.1 Das Kirchenverständnis an der Schwelle zum Hochmittelalter In der Karolingerzeit bestand die Kirche (universitas christianorum) noch aus einer Verflechtung von Kirche und Staat. Die weltliche Hierarchie war die tra­ gende Säule der Kirche, die deren Belange nach innen und außen durchsetzte. Von Karl dem Großen bis zu dem salischen Herrscher Heinrich III. († 1056) blieb die königliche Gewalt (potestas regalis) für die Kirche von ausschlagge­ bender Bedeutung. Der König verstand sich als sichtbares Haupt der 'res publica christiana', als Herrscher war er der Mittler zwischen Klerus und Volk. Das Papsttum erkannte lange Zeit durch die Salbung der Herrscher die religiöse Füh­ rungsfunktion des Staates an und beauftragte diesen mit der Wahrung der kirch­ lichen Interessen. "Der König war durch die Weihe als König dem Altar ver­ pflichtet".612 Der weltliche Herrscher war also Teil der 'ecclesia', der König wur­ de zum sichtbaren Haupt der Kirche. Diese religiös-politische Verflechtung zeigt sich u.a. darin, dass Heinrich III. auf der Synode von Sutri (1046) drei konkur­ rierende Päpste absetzte und Clemens II. als Nachfolger nominierte. Ein wichtiges Element und eine Stütze der sakralen Herrschaftsvorstellung stell­ te das sogenannte Eigenkirchenwesen dar. Die Eigenkirchen gehörten dem Grundeigentümer und konnten daher verkauft, vererbt oder verpfändet werden. Der Eigenkirchenherr bestimmte den Geistlichen für seine Kirche und konnte ihn auch wieder entlassen, der zuständige Bischof hatte lediglich ein nominelles Widerspruchsrecht. Die Eigenkirchen bzw. -klöster gehörten dem...

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