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Die Illusion eines guten Lebens

Kraft durch Freude und nationalsozialistische Sozialpropaganda

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Sascha Howind

Das Buch beschäftigt sich mit der Rolle der Freizeitorganisation «Kraft durch Freude» (KdF) als Propaganda- und Herrschaftsinstrument für das NS-Regime zwischen 1933 und 1939. Die Organisation KdF war ein halbstaatlicher, der «Deutschen Arbeitsfront» (DAF) angeschlossener Verband, mit dem der NS-Staat versuchte, ein «Geselligkeitsmonopol» und eine umfassende Verfügung und Kontrolle auf die arbeitsfreie Zeit der deutschen Bevölkerung durchzusetzen. Die KdF bildete ein Kernstück der NS-Sozialpropaganda, indem sie die Illusion des kollektiven sozialen Aufstiegs der deutschen Bevölkerung und der Einebnung von Klassenunterschieden verkörperte und verbreitete. Die Freizeitorganisation diente damit unmittelbar als Herrschaftsinstrument des NS-Staats.

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1. Die Illusion eines besseren Lebens in der faschistischen „Volksgemeinschaft“

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Sozialer Wandel und Massenloyalität. Über den Konsens zwischen Bevölkerung und NS-Regime „Die Verheißung von sozialer Gemeinschaft und nationalem Wiederaufstieg, von Über- windung der Klassengesellschaft und politischer Einheit trug ganz wesentlich zur Attraktivität des Nationalsozialismus bei“ (Bajohr & Wildt 2009, S. 8). „‚Kraft durch Freude’ ist der wohl volkstümlichste und kürzeste Ausdruck für das Wollen des ‚neuen Deutschlands’“ (Robert Ley in seiner Rede zum Stapellauf der Wilhelm Gustloff. Zitiert nach Schön 1987, S. 65ff.) Hat die Mehrheit der Bevölkerung den sozialen Wandel, der sich während der 1930er Jahre ereignet hatte, der Politik des NS-Regimes zugeschrieben? Dies würde erklären, wie es den Nationalsozialisten gelang, ihre zwölfjährige Herrschaft scheinbar unbehelligt von wirksamem Widerstand6 auszuüben. Diese Zuschreibung einer erfolg- reichen Sozialpolitik umfasst den Eindruck allgemeiner Verbesserung der wirt- schaftlichen und sozialen Situation der deutschen Bevölkerung in den Dreißiger Jahren. Wirkungsmächtig wurde dieser Eindruck im Kontrast zur Situation in der End- phase der Weimarer Republik, die phasenweise von Wirtschaftskrisen und Massen- arbeitslosigkeit gekennzeichnet war. Dem gegenüber wurde die Phase des Dritten Reichs vielfach mit der „Wiedererstarkung“ Deutschlands auf wirtschaftlichem und außenpolitischem Gebiet assoziiert (vgl. Kershaw 1988, S. 82f.). Die NS-Propaganda verbreitete den Eindruck einer wirtschaftlich und gesellschaftlich erfolgreichen Politik, die zu einer Verbesserung der Situation aller Deutschen geführt habe. Die gesellschaftspolitische Kernvorstellung der Nationalsozialisten bildete dabei die von ihnen propagierte „Volksgemeinschaft“. Mit diesem Schlagwort wurde eine vermeintliche neue gesellschaftliche Realität beschrieben, die von den...

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