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Die Illusion eines guten Lebens

Kraft durch Freude und nationalsozialistische Sozialpropaganda

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Sascha Howind

Das Buch beschäftigt sich mit der Rolle der Freizeitorganisation «Kraft durch Freude» (KdF) als Propaganda- und Herrschaftsinstrument für das NS-Regime zwischen 1933 und 1939. Die Organisation KdF war ein halbstaatlicher, der «Deutschen Arbeitsfront» (DAF) angeschlossener Verband, mit dem der NS-Staat versuchte, ein «Geselligkeitsmonopol» und eine umfassende Verfügung und Kontrolle auf die arbeitsfreie Zeit der deutschen Bevölkerung durchzusetzen. Die KdF bildete ein Kernstück der NS-Sozialpropaganda, indem sie die Illusion des kollektiven sozialen Aufstiegs der deutschen Bevölkerung und der Einebnung von Klassenunterschieden verkörperte und verbreitete. Die Freizeitorganisation diente damit unmittelbar als Herrschaftsinstrument des NS-Staats.

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4. Die Organisation „Kraft durch Freude“

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„Wir tragen den Nationalsozialismus hinaus nicht mit Terror und Feuer und Schwert und Krieg und sonstigen Gemeinheiten, sondern mit der Freude, der Lebensfreude“ Robert Ley (Kraft durch Freude 1936). Mit der Gründung und dem Aufbau der Freizeitorganisation KdF verfolgte das NS- Regime eine Politik der „totalen Freizeit“. Der Begriff „totale Freizeit“ umfasst ver- schiedene Aspekte der NS-Freizeitpolitik, die auch für die Aktivität der KdF im Rah- men der nationalsozialistischen Sozialpropaganda relevant sind. Dazu gehören beispielsweise staatliche Anspruch auf umfassenden Zugriff auf die Gestaltung der arbeitsfreien Zeit. Nach Absicht von Ley sollte jeder auch in seiner Freizeit total er- fasst und „nur noch der Schlaf als Privatsache gewährt werden“ (Ley, zitiert nach Nerdinger 1985, S. 75). Weiterhin umfasst die „totale Freizeit“ das Bestreben der Machthaber, einheitlich konsumierbare Formen der Freizeitgestaltung zu erschaffen und unter den „Volksgenossen“ zu verbreiten. Das folgende Kapitel wird die Gründung und die Struktur der KdF darstellen im Hinblick auf die propagandistische Absicht und die damit verbundene illusionäre Wir- kung. Vor allem die Reaktion der Bevölkerung auf das Freizeitangebot der KdF ist in diesem Zusammenhang von Interesse. Handelte es sich beim Konzept der total orga- nisierten Freizeit um eine autoritäre Herrschaftsgeste, mit der die Bevölkerung ledig- lich ruhig gestellt wurde und die die Herrschaft trotzdem innerlich ablehnte? Dieser Ansatz zur Erklärung der KdF findet sich vorwiegend in der älteren Literatur (vgl. Prahl & Steinecke 1979). Oder kam die Freizeitgestaltung den Wünschen der Be- völkerung entgegen, bildete...

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