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Literaturanspruch und Unterhaltungsabsicht

Studien zur Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert

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Hans-Heino Ewers-Uhlmann

Die in diesem Band versammelten Studien widmen sich zunächst dem kinderliterarischen Paradigmenwechsel in den westlichen deutschsprachigen Ländern um 1970, um sich dann den Veränderungen zuzuwenden, welche die Kinder- und Jugendliteratur in der Mediengesellschaft der 1980er und 1990er Jahre erfahren hat. Diese Jahrzehnte stellen gleichzeitig eine Blütezeit der zeitgeschichtlichen Kinder- und Jugendliteratur dar, die sich als Teil einer umfassenden westdeutschen Erinnerungskultur begriffen hat. Weitere Studien befassen sich mit dem modernen Jugendroman und seinen vielfältigen Ausprägungen und Untergattungen. Die 1990er und 2000er Jahre werden durch die Fantasy dominiert. Einzelstudien zu den Kinderlyrikern James Krüss und Josef Guggenmos sowie zu Mira Lobe, Christine Nöstlinger und Rafik Schami runden die Sammlung ab. Viele der hier erneut publizierten Studien haben die neuere Kinder- und Jugendliteraturgeschichtsschreibung nachhaltig geprägt.

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Kinder- und jugendliterarische Erinnerungskultur

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Zwischen geschichtlicher Belehrung und autobiographischer Erinnerungsarbeit. Zeitgeschichtliche Kinder- und Jugendliteratur von AutorInnen der Generation der Kriegs- und Nachkriegskinder Nach der mittlerweile klassischen Definition von Malte Dahrendorf sind unter zeitgeschichtlicher Kinder- und Jugendliteratur (zumeist erzählende) Werke zu verstehen, deren Geschichten entweder vor konkretem zeitgeschichtlichen Hin- tergrund spielen“ oder die „Zeitgeschichte ausdrücklich thematisieren […]. Mit ‚Zeitgeschichte’ ist die jüngste Vergangenheit gemeint, eine Vergangenheit, in deren unmittelbarer Auswirkung wir heute noch leben, zum Beispiel: Drittes Reich und seine Vorgeschichte, Zweiter Weltkrieg, Ost-Westspannung, Kon- flikte der Dekolonisierung und der Dritten Welt, Rassismus […] (Dahrendorf 1997, 205).1 Die seit den frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorherrschende Einteilung dieser Literaturgattung geht nach den jeweils im Mittelpunkt stehenden „Themen“ vor, d.h. nach den behandelten historischen Zeitabschnitten (wie z.B. „Ende der Weimarer Republik“, „Nachkriegszeit“ etc.) oder nach den fokussierten besonderen Aspekten (z.B. „Judenverfolgung“, „Widerstand“ etc.) (vgl. hierzu zusammenfassend Lange 2000). In diesem Beitrag soll ein Aspekt verfolgt werden, der im Horizont der ein- schlägigen kinder- und jugendliteraturkritischen Arbeiten bislang nur gelegent- lich beachtet worden ist: Haben die betr. AutorInnen die jeweils geschilderten Zeitabschnitte selbst erlebt? Wie wirkt sich eine evtl. biographische Verstric- kung in den Gegenstand aus? Gewiss legen heutzutage auch jüngere AutorInnen zeitgeschichtliche Romane vor, die bspw. in der Zeit der Nazidiktatur, während des Zweiten Weltkriegs oder in der Nachkriegszeit spielen. Als Beispiele seien der 2000 erschienene Jugendroman Daniel halber Mensch von David Chotje- witz (Jg. 1964) und die 2004 herausgekommene Anthologie Stadt Land Krieg genannt, die Beiträge von...

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