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Kinder von 1 bis 6

Bilderbuchrezeption und kognitive Entwicklung

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Marie-Luise Rau

Die Rezeption von Bilderbüchern im Vorschulalter ist Bestandteil eines intensiven Entwicklungs- und Lernprozesses. Die Einteilung von Bilderbüchern in verschiedene Unterarten ermöglicht es, die jeweilige Wirkung auf die kindlichen Rezipienten, deren sprachliche und kognitive Fähigkeiten wie auch deren Interessen präzise zu bestimmen. Die Studie will zeigen, wie Bilderbücher der unterschiedlichsten Art die Herausbildung von Raum- und Zeitkonzepten stimulieren und die Bildung eines Ich-Konzepts anstoßen können. Darüber hinaus werden Bilderbücher hinsichtlich ihrer narrativen Strukturen wie ihrer Themen zur Erwachsenenliteratur in Beziehung gesetzt. Es wird die besondere Fähigkeit von Bildern herausgestellt, komplexe Botschaften verständlich und differenziert zu übermitteln. Weitere Gegenstände dieser Studie sind das dialogische Vorlesen, die Bezüge zu Spiel und zum Erzählen, die Bedeutung von Tiercharakteren wie ein Vergleich von Bilderbuchgeschichten und Märchen.

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4. Raumkonzepte, Räume, Handlungsorte. Vom frühen Erwerb räumlicher Vorstellungen bis zur literarischen Bedeutung des Raums im Bilderbuch

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105 4. Raumkonzepte, Räume, Handlungsorte Vom frühen Erwerb räumlicher Vorstellungen bis zur literarischen Bedeutung des Raums im Bilderbuch Bilderbücher stützen Lernprozesse in vielfältiger Weise. In der Entwicklung von Raumvorstellungen lässt sich besonders gut nachweisen, wie gerade Bilderbücher Literacy in der Entstehung (emergent literacy) kognitiv, sprachlich und literarisch fördern. Für die Jäger und Sammler in unserer Evolutionsgeschichte war es über- lebenswichtig, Objekte zu lokalisieren, ihre Bewegungsrichtung und andere Per- spektiven einzuschätzen. Damit hängt zusammen, dass Kinder Raumkonzepte früh erwerben. Die sprachliche Bewältigung, vor allem aber die kognitive Seite, wurden umfangreich erforscht und die Ergebnisse ermöglichen es, Bilderbücher, die Raumkonzepte thematisch in den Mittelpunkt rücken, auf diesem Hinter- grund zu beurteilen. Die literarische Bedeutung ist mit der Entwicklung im 20. Jahrhundert verknüpft, in der der Raum in der Erzählung bedeutungsschaffende Funktionen erhält, wie es Natascha Würzbacher (2001) in ihrem Aufsatz „Erzähl- ter Raum“ darlegt. Der Raum wird in Beziehung zu den handelnden Personen ge- setzt; beispielsweise charakterisiert der Raum den Protagonisten gesellschaftlich und psychologisch, oft in metaphorischer Form. Grenzen zwischen Innen- und Außenraum können verschwimmen in Form von emotionaler Grenzüberschrei- tung, wenn unterdrückte Wünsche in Bildern sichtbar werden (ebd.: 122f.). Die Beobachtungen zu Raumbeschreibungen, die in Erzählungen vielfälti- ge Bedeutung bekommen (Semantisierung des Raumes), lassen sich ohne Wei- teres auf Bilderbücher übertragen. Die Bildmodalität ist das Medium für den...

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