Show Less

Kinder von 1 bis 6

Bilderbuchrezeption und kognitive Entwicklung

Series:

Marie-Luise Rau

Die Rezeption von Bilderbüchern im Vorschulalter ist Bestandteil eines intensiven Entwicklungs- und Lernprozesses. Die Einteilung von Bilderbüchern in verschiedene Unterarten ermöglicht es, die jeweilige Wirkung auf die kindlichen Rezipienten, deren sprachliche und kognitive Fähigkeiten wie auch deren Interessen präzise zu bestimmen. Die Studie will zeigen, wie Bilderbücher der unterschiedlichsten Art die Herausbildung von Raum- und Zeitkonzepten stimulieren und die Bildung eines Ich-Konzepts anstoßen können. Darüber hinaus werden Bilderbücher hinsichtlich ihrer narrativen Strukturen wie ihrer Themen zur Erwachsenenliteratur in Beziehung gesetzt. Es wird die besondere Fähigkeit von Bildern herausgestellt, komplexe Botschaften verständlich und differenziert zu übermitteln. Weitere Gegenstände dieser Studie sind das dialogische Vorlesen, die Bezüge zu Spiel und zum Erzählen, die Bedeutung von Tiercharakteren wie ein Vergleich von Bilderbuchgeschichten und Märchen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

8. Themen in Bilderbüchern

Extract

Beziehungen zur Erwachsenenliteratur In Bilderbüchern geht es um Themen, die man auch in der Erwachsenenliteratur findet. Es geht um den Wert von Freundschaft, um die Frage „Wer bin ich?“, um die Irrationalität von Vorurteilen, um Einsamkeit und das Gefühl der Verlassen- heit, um Ängste und Wünsche. Im Fokus stehen der Einzelne, die Gemeinschaft oder gesellschaftliche Konstellationen. Im Bilderbuch werden Themen auf ihren Kern reduziert und durch prototypisches Verhalten dargestellt. Vorteil der Bild- modalität ist es, einerseits zu differenzieren und andererseits die Rezipienten herauszufordern, selbst Zusammenhänge herauszufinden. Nach Jerome Kagan (1987) erwerben Kinder moralische Vorstellungen durch emotionalen Respons. Bilderbuchkünstler verkünden nicht moralische Prinzipien oder lehren, was rich- tig und was falsch ist. Sie vermitteln ihre Botschaft im besten Fall, indem sie Empathie für die Figur in der Geschichte wecken. Auf der frühen Ebene des gemeinsamen Vorlesens sind Bilderbücher und Gespräche darüber ein wesent- licher Teil des Sozialisierungsprozesses. Bilderbücher öffnen die Augen, um wahrzunehmen, was Anteilnehmen bedeutet, nämlich empfänglich zu sein für anderes, hinauszuwachsen über seine eigenen Vorlieben und eine enge Sichtwei- se (nach Kagan 1987: xix, Blum 1987: 330ff.). Kinder unterscheiden sich in ihrer Entwicklung, aber die Forschung belegt, wie früh sie für psychologische und soziale Fragen sensibilisiert sind (s. Kap. 6). Bilderbücher stützen die Anfänge der Konzeptbildung bzw. öffnen ein Fenster zur Zone der nächsten Entwicklung (Wygotsky). Beim Lesen kann der Erwachsene nicht nur den Lernprozess positiv...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.