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Ukrainistik in Europa

Historische Entwicklung und gegenwärtiger Stand

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Helmut Schaller

Die ersten Anfänge wissenschaftlicher Betrachtung der Ukraine gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, politisch bedingt jedoch kann erst nach dem Ersten Weltkrieg von einer Ukrainistik in Prag, Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg in München gesprochen werden. Die Darstellung der europäischen Ukrainistik in diesem Buch hat die Entwicklung dieses Teilgebietes der Slawistik für Deutschland und Europa, in Ausblicken auch für Nordamerika und Australien zum Ziel. Der Arbeit liegt eine umfangreiche Primär- und Sekundärliteratur zu Grunde, einbezogen wurden auch Archivmaterialien aus Berlin und München. Im Ergebnis zeigt sich ein umfassendes Bild nicht nur ukrainistischer Forschung, sondern auch der Lehre an mitteleuropäischen Universitäten. Trotz aller Förderung seit dem Jahre 1990 ist zu befürchten, dass mit den Beschränkungen der Osteuropa-Forschung auch die Ukrainistik nach einer kurzen Blütezeit wieder in den Hintergrund gedrängt wird.

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Vorwort

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Die Ukraine hat mit ihrer Sprache, Literatur und Kultur eines der härtesten Schicksale über Jahrhunderte hin erlebt, da die Kiever Staatsbildung des 10. Jahr- hunderts der russischen Tradition zugerechnet wurde, im 17. Jahrhundert die gesamte Ukraine sowohl ein Teil Polens als auch Russlands wurde. Durch die polnischen Teilungen kam der westliche Teil der Ukraine an Österreich-Ungarn, wo sich ein einigermaßen selbständiges kulturelles Leben entfalten konnte, wäh- rend es im östlichen Teil Ende des 19. Jahrhunderts unter russischer Herrschaft sogar zu einem Verbot ukrainischer Sprache und Literatur kam. Einer kurzen Epoche staatlicher Eigenständigkeit folgte die Einvernahme der Ukraine durch die Sowjetunion, ein Zustand, der mit einer kurzen Unterbrechung durch die deutsche Besetzung im Zweiten Weltkrieg erst Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu Ende ging. Die zwangsläufige Folge dieser außerordentlich schwierigen Situation der ukrainischen Nation war ein ausgeprägtes kulturelles und wissenschaftliches Leben im Ausland, vor allem in Europa, aber auch in Nordamerika. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen erschien fast die Hälfte der Exilliteratur in der Tschechoslowakei, mehr als ein Viertel in Deutschland, ein nicht unwesentlicher Teil in Österreich, während auf Länder wie Polen, Schweiz, Frankreich nur klei- nere Anteile kommen. In einer 2002 im „Bulletin der Deutschen Slavistik“ veröffentlichten Vorstel- lung der Ukrainistik in Greifswald haben die damals dort lehrenden Ukrainis- ten Rolf Göbner und Valerij Mokienko folgendes festgestellt: „Die Geburt der Greifswalder Ukrainistik kam einer logischen Wiederaufnahme und Fortsetzung von jahrzehntelangen Traditionen dieser slawistischen...

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