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Der deutsche Osten in der Schule

Institutionalisierung und Konzeption der Ostkunde in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren

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Britta Weichers

Die Ostkunde war ein zentrales Bildungsanliegen in der frühen Bundesrepublik. Sie prägte die Schulbildung in den 1950er und 1960er Jahren entscheidend: Sie gestaltete die Erinnerung an die Vertreibungsgebiete sowie die entsprechenden Geschichts- und Gegenwartsbilder und strebte die Wiedergewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete an. Zentrale Inhalte dieser Arbeit sind die Institutionalisierung und die inhaltliche Ausgestaltung der Ostkunde sowie ihre gesellschaftlichen Funktionen und Auswirkungen. Der multiperspektivische Ansatz der Studie verknüpft methodisch Diskurs-, Mentalitäts-, Politik- und Bildungsgeschichte miteinander. Sie beschreibt den Weg von entsprechenden Forderungen der Vertriebenenverbände bis zur Verankerung ihrer Inhalte in den westdeutschen Bildungskanon.

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Institutionelle Anfänge und Institutionalisierung der Ostkunde

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Ostkundliche Initiativen durch Vertriebenenverbände Ihren Anfang nahm die Ostkunde in Bayern, für das Wolfgang Protzner die ostkundli- chen Bestrebungen untersucht hat. Er konnte feststellen, dass die Initiative für eine Ostkunde von den Vertriebenen und Flüchtlingen selbst ausging. Angetrieben wurden sie von dem Verlangen, das Bewusstsein für die ostdeutsche Heimat und Kultur auch in der neuen Umgebung lebendig zu erhalten und zu pflegen. Sie wollten durch eine Ostkunde sicherstellen, dass ihre Kinder ein lebendiges Bild von der Heimat ihrer Eltern, die heimatverbliebenen Deutschen im Westen möglichst umfassende Kennt- nisse vom ›deutschen Osten‹ erhielten und die Erinnerung an das erlittene Unrecht der Vertreibung aus der Heimat wachgehalten werde. Diese Wünsche bestimmten die gesamte ostkundliche Aktivität in der Nachkriegszeit, so Protzner.1 Um der Ostkunde einen gesicherten Platz im Schulunterricht zu verschaffen, brachten die Vertriebenenverbände seit Ende der 1940er Jahre mehrfach Eingaben bei den Länderregierungen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens und Hessens ein. Die For- derungen der einzelnen Vertriebenenverbände differierten stark, so »daß von einem einheitlich-systematischen Vorgehen der Flüchtlinge und Vertriebenen zu dieser Zeit nicht gesprochen werden kann.«2 Am Beispiel Niedersachsens lässt sich dies verdeutli- chen: Am 20. Juli 1949 richtete der Zentralverband der vertriebenen Deutschen, Landsmannschaft Ostpreußen ein Schreiben an das niedersächsische Vertriebenenmi- nisterium. Er forderte, für die Vertriebenenkinder ein bis zwei Schulstunden Heimat- kundeunterricht über den deutschen Osten in die Stundenpläne aufzunehmen, denn der bisherige Heimatkundeunterricht habe zwei Schwächen: Zum einen werde den Schülern die...

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