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Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Polen und Österreich

Bestandsaufnahme und Entwicklungsperspektiven

Edited By Boguslaw Dybas, Tomasz Kranz, Irmgard Nöbauer and Heidemarie Uhl

Diese Bestandsaufnahme der KZ-Gedenkstättenlandschaft in Österreich und Polen thematisiert die Geschichte, die gegenwärtige Situation und die Zukunftsperspektiven dieser Orte. Hintergrund ist die Herausforderung, vor der diese Gedenkstätten heute stehen: Die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und des Nazi-Regimes rückt zunehmend in die Ferne, die Generation der Zeitzeugen ist kaum noch präsent. Für die Vermittlung der Verbrechen des Nationalsozialismus gewinnen daher die Orte, die Zeugnis davon ablegen, eine immer größere Bedeutung. Es sind aber neue Fragen an die Geschichte und neue Erinnerungsbedürfnisse, mit denen Gedenkstätten heute konfrontiert sind. Dem trägt die Neugestaltung von Museen und Ausstellungen, die derzeit etwa in Auschwitz, Majdanek, Stutthof und Mauthausen durchgeführt oder geplant werden, Rechnung. Die vergleichende Perspektive auf KZ-Gedenkstätten in Polen und Österreich ermöglicht neue Einblicke in die dynamischen Transformationsprozesse der historischen Orte der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik.

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Auschwitz — pars pro toto

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Viel war in jüngster Zeit über die Bewahrung von Erinnerungsorten sowie über die Notwendigkeit des Erhaltens von deren Authentizität die Rede. Aus diesem Grund möchte ich mich in meinem Beitrag auf die Neuinter­ pretation des Orts konzentrieren. Das Phänomen, das wir heute als pars pro toto bezeichnen — also die immer häufigere Inanspruchnahme von Ausch­ witz als Symbol für eine viel größere Gesamtheit — ist nämlich eine zu­ nehmend stärker wahrgenommene Determinante in den Erwartungen der öffentlichen Meinung hinsichtlich der Gedenkstätte, was mit ernsthaften Schwierigkeiten, die im Lauf der Jahre noch Zunahmen, einhergeht. Es sind höchst reale Schwierigkeiten, an die ich im Kontext mit der Neu­ gestaltung der Hauptausstellung in Auschwitz anknüpfen möchte. Denn wie lässt es sich begreifen, wie lässt sich beispielsweise der Sachverhalt er­ klären, dass ein betagter Jude aus Amerika, der am Ende seines Lebens nach Europa zurückkehrt, um die Orte seiner Kindheit zu besuchen, nach Ausch­ witz kommt und mitteilt, dass er hierher kommen musste — sein Vater hingegen kam in Bergen-Belsen ums Leben. Wie kann man auf die emo­ tional vorgebrachten Vorwürfe eines Menschen reagieren, dessen gesam­ te Familie in Treblinka ermordet wurde und der als Besucher in Ausch­ witz die Frage stellt, warum man hier kaum etwas über Treblinka erfah­ ren kann. Für diese Menschen bedeutet Auschwitz bis zu einem gewissen Grade Bergen-Belsen, Treblinka oder ein weiteres Konzentrations- bezie­ hungsweise Vernichtungslager. Auschwitz stellt zurzeit gewissermaßen das nationalsozialistische...

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