Show Less

Justiz und Justizverfassung- Judiciary and Judicial System

Siebter Rechtshistorikertag im Ostseeraum, 3.-5. Mai 2012 Schleswig-Holstein- 7th Conference in Legal History in the Baltic Sea Area, 3rd-5th May 2012 Schleswig-Holstein

Series:

Edited By Frank L. Schäfer and Werner Schubert

Die Beiträge des Tagungsbandes präsentieren die Geschichte des Prozessrechts, der Justiz und ihrer Institutionen des Ostseeraums. In der Horizontalen widmen sich die Referate den einzelnen Anrainerstaaten der Ostsee, in der Vertikalen reichen sie von der Höchstgerichtsbarkeit im Ostseeraum bis zur Dorfjustiz des russischen Bauerntums. Ebenso vielfältig sind die Anknüpfungspunkte in der Gerichtsorganisation: Sie reichen von den Obergerichten über die Spruchfakultäten und Laiengerichte bis zur Kirchengerichtsbarkeit.
The contributions to these proceedings present the history of procedure law, of the judiciary and its institutions in the Baltic Sea Area. Neighbouring states of the Baltic Sea are widely analyzed, the topics ranging from supreme courts to secular and ecclesiastical courts, to lay courts and Russian rural courts, just as they include judicial reforms and legal educational activities of the judiciary.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Dorfjustiz und Rechtsbewußt sein des russischenBauerntums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (anhand der Materialien des Archivs der Russischen Geographischen Gesellschaft): Alexander Rogatschewski

Extract

Dorfjustiz und Rechtsbewußtsein des russischen Bauerntums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (anhand der Materialien des Archivs der Russischen Geographischen Gesellschaft) Alexander Rogatschewski I. Geschichte des Gewohnheitsrechts in Rußland als Forschungs- problem Die Geschichte des Gewohnheitsrechts in Rußland gehört zu den Themen, die einerseits zum traditionellen Kanon unserer rechtshistorischen Wissenschaft zählen, andererseits jedoch ungenügend erforscht sind. Dabei thematisierten russische Forscher das Gewohnheitsrecht relativ frühzeitig: Bereits in den 1840er Jahren sammelten die Korrespondenten der Russischen Geographischen Gesellschaft die Angaben über die lokalen Gewohnheiten der Bevölkerung verschiedener Gouver- nements des Kaiserreiches.1 Ungeachtet der Tatsache, daß das Gewohnheitsrecht eine beschränkte Anerkennung und Anwendung in den Gerichten fand, wurde es von den Rechtswissenschaftlern wenig beachtet. Man setzte die Begriffe „Recht“ und „Gesetz“ grundsätzlich gleich. Die russischen Nachfolger Savignys, d.h. die Vertreter der „historischen Schule der Rechtswissenschaft“, betonten, wie wichtig es sei, das „Volksrecht“ zu erkennen, und sie versuchten, eine Verbindung zwischen „Volksrecht“ und staatlichem Recht herzustellen. Auch die russischen Rechtskundler (wie etwa K.D. Kawelin, W.I. Ssergejewitsch, M.F. Wladimirskij- Budanow, D.W. Ssamokwassow u.a.) beteiligten sich an dieser Polemik. Sie stuften Gewohnheiten als eine Quelle des geschriebenen Rechts ein. Auch erkannten sie die besonderen „inoffiziellen“ Rechtsbeziehungen im Dorfe als Rechtskomplex an. Die Entwicklung des Gewohnheitsrechts war für sie jedoch nur unter dem Gesichtspunkt der Evolution der staatlichen Gesetzgebung bedeutsam. Dagegen interessierten sie sich nicht für die Probleme, die mit dem rechtlichen Alltag der Bauern verbunden waren. Die Situation änderte sich nach der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.