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Tod und Sterben in der Medizin

Eine Untersuchung zu Begriffsgeschichte und aktueller Bedeutung

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Matthias Gruber

Tod und Sterben gelten in unserer Gesellschaft immer noch als Tabu. Zum Sterben wird gerne auf Institutionen wie Krankenhaus oder Pflegeheim zurückgegriffen. Durch die Palliativmedizin und den immer stärkeren Einfluss der Hospizbewegung ändert sich mittlerweile das Bewusstsein für die letzte Phase des Lebens. Diese Studie betrachtet den Umgang mit den Begriffen Tod und Sterben in der Medizin. Auch werden die damit in Zusammenhang stehenden Begriffe Lebensqualität, Sterbehilfe und Sterbebegleitung in ihrer historischen Entwicklung thematisiert. Den Abschluss der Arbeit bildet eine ausführliche Betrachtung der historischen und aktuellen Bedingungen einer Kommunikation mit Sterbenden.

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3 Euthanasie

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Nachdem im Jahre 2002 in den Niederlanden183 und in Belgien184 die Praxis der so genannten „aktiven Sterbehilfe“ legalisiert wurde, und dadurch eine Diskussion zu dieser Möglichkeit auch in Deutschland nicht ausbleiben konnte, sahen sich Pallia- tivmediziner animiert, Aufklärungsarbeit im Sinne ihres Verständnisses von „Ster- behilfe“, nämlich als „Hilfe im Sterben“, also als „Sterbebeistand“ zu leisten. Professor Eberhard Klaschik, der schon zu dieser Zeit häufig bei öffentlichen Veranstaltungen zum Thema „Palliativmedizin“ teilnahm, sprach u.a. am 18. Juni 2003 vor einem kleinen Auditorium über Palliativmedizin als Alternative zur akti- ven Sterbehilfe im Rahmen einer Veranstaltung des „Uni-Clubs“ der Friedrich- Wilhelm-Universität in Bonn. Bei dieser Veranstaltung nahmen nur ca. 20 Perso- nen teil, denen im Anschluss an den Vortrag bei einem gemeinsamen Mittagessen Gelegenheit zur Diskussion gegeben war. Bei seinem Vortrag stellte Prof. Klaschik sehr viele Vergleiche zwischen der Praxis der aktiven Sterbehilfe in den Niederlan- den und möglichen Alternativen zur Sterbehilfe in Deutschland vor. Dabei verwen- dete er des Öfteren für das Praktizieren der aktiven Sterbehilfe das Verb „euthana- sieren“, vorwiegend in der Passivform. („Der Patient / Die Patientin wurde eutha- nasiert“.) In anschließenden Gesprächen erwähnten vor allem ältere Personen, An- stoß an dieser Formulierung genommen zu haben. Zum einen bezogen sie sich auf den Missbrauch des Substantivs „Euthanasie“ durch den Nationalsozialismus, zum anderen wandten sie ein, dass durch den Gebrauch als transitives Verb der Mensch zum Objekt degradiert würde. „Nicht nur wegen der negativen Bedeutung des Be- griffes in...

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