Show Less

Vielfalt der sprachlichen Bildung

Handlungsorientierte und erfahrungsoffene Wege zur Sprachkultur

Rita Zellerhoff

Kinder erwerben Sprache im Austausch mit ihrer Umwelt auf der Basis einer einmalig menschlichen Prädisposition ganz beiläufig im sozialen Miteinander. Erwachsene besitzen ein feines Gespür dafür, wie sie ihre Kinder in dieser Erwerbsaufgabe unterstützen können. Die Elterngeneration vermittelt ihren Kindern das Weltwissen in einem sozio-kognitiven Prozess, der Sprache zu einem sehr wirksamen Mittel zur Weitergabe der Kultur macht. Für die ganz Kleinen setzen Verse, Kinderlieder und Märchen elementare sprachliche Bildungsprozesse in Gang. Dieses Buch knüpft an diesen frühen Erfahrungen an. Nach einer begrifflichen Klärung der sprachlichen Bildung werden die Kategorien Lautentwicklung, Wortschatzerwerb, Grammatik und Pragmatik aufgefächert und mit Beispielen aus dem konkreten Umgang mit Kindern veranschaulicht. Die Ausdifferenzierung von Sprache durch die Neukonstruktion des Wissens wird durch Lernprozesse aus einem breiten Fächerkanon angeregt. In erfahrungsoffenen und handlungsorientierten Lernprozessen werden Kinder befähigt, sich auch mit abstrakten Inhalten auseinanderzusetzten, wie an einem Beispiel zur Konzeptualisierung von Zeit gezeigt wird.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2 Grundlegung der frühkindliche Sprachentwicklung

Extract

2.1 Was Babys schon bei der Geburt mitbringen Faszinierende Erkenntnisse tun sich auf, wenn man präzise beobachtet, was Neu- geborene an Fähigkeiten bei der Geburt mit auf die Welt bringen. Wenn sie das Licht der Welt „erblicken“, ist zwar ihre Fähigkeit zu sehen noch rudimentär ausge- bildet, ihre primären Bezugspersonen und selbst ihre nur wenig älteren Geschwister haben aber ein intuitives Gespür für diese geringe Sehfähigkeit und gleichen dies durch eine geringe Distanz zum Neugeborenen aus. Viel ausgeprägter ist dage- gen der zweite Fernsinn der Neugeborenen, das Hören ausgebildet. „Bereits in der dritten Schwangerschaftswoche (SSW) sind die Anlagen hier- zu vorhanden. Die Ausdifferenzierung des Labyrinths ist in der zwölften SSW abgeschlossen. Ab der zweiundzwanzigsten Woche der Schwangerschaft reagiert der Fötus mit veränderter Herzfrequenz und Bewegungen auf akustische Reize. Nach der Geburt findet kein Wachstum des Hörorgans mehr statt.“ (Fiori & am Zehnhoff-Dinnesen 2012a, 281) Wie Untersuchungen an der Universität Würzburg gezeigt haben, kann sogar schon kurz nach der Geburt an der Schreimelodie der Säuglinge unterschieden werden, ob sie aus einem deutsch- oder französisch-sprachigen Umfeld stammen (Wermke, 2010). Das liegt daran, dass die frankophone Satzmelodie eine auf- steigende Intonation aufweist, während sie im Deutschen fallend ist. Dies äußert sich bereits in den ersten Lallmonologen. Die frühe Ansprechbarkeit des Gehörs macht das Kind schon im Mutterleib mit der Stimme der Mutter vertraut. Auch wenn diese noch durch das umgebende Fruchtwasser verzerrt...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.