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Vielfalt der sprachlichen Bildung

Handlungsorientierte und erfahrungsoffene Wege zur Sprachkultur

Rita Zellerhoff

Kinder erwerben Sprache im Austausch mit ihrer Umwelt auf der Basis einer einmalig menschlichen Prädisposition ganz beiläufig im sozialen Miteinander. Erwachsene besitzen ein feines Gespür dafür, wie sie ihre Kinder in dieser Erwerbsaufgabe unterstützen können. Die Elterngeneration vermittelt ihren Kindern das Weltwissen in einem sozio-kognitiven Prozess, der Sprache zu einem sehr wirksamen Mittel zur Weitergabe der Kultur macht. Für die ganz Kleinen setzen Verse, Kinderlieder und Märchen elementare sprachliche Bildungsprozesse in Gang. Dieses Buch knüpft an diesen frühen Erfahrungen an. Nach einer begrifflichen Klärung der sprachlichen Bildung werden die Kategorien Lautentwicklung, Wortschatzerwerb, Grammatik und Pragmatik aufgefächert und mit Beispielen aus dem konkreten Umgang mit Kindern veranschaulicht. Die Ausdifferenzierung von Sprache durch die Neukonstruktion des Wissens wird durch Lernprozesse aus einem breiten Fächerkanon angeregt. In erfahrungsoffenen und handlungsorientierten Lernprozessen werden Kinder befähigt, sich auch mit abstrakten Inhalten auseinanderzusetzten, wie an einem Beispiel zur Konzeptualisierung von Zeit gezeigt wird.

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14 Zeit, Zeitwahrnehmung und konzeptuelle Aneignung als kultureller Aspekt

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Die Zukunft kommt wird Gegenwart und geht doch ändert nichts die Zeit U.Z. Milan In der griechischen Mythologie verkörpern die beiden Brüder Chronos und Kai- ros zwei kulturelle Aspekte der Zeitwahrnehmung: die Zeit als Vektor, als die verrinnende Zeit und Zeit als Wiederkehr oder als günstiger Zeitpunkt für Ent- scheidungen. 14.1 Zeitstrahl – das Verrinnen der Zeit Das Verrinnen der Zeit wurde nach den drastischen Erfahrungen des Dreißigjäh- rigen Krieges mit der Allegorie des Todes dargestellt, der symbolisch das Stun- denglas für die verrinnende Zeit und die martialische Sense als Zeichen für den unausweichlichen Tod in Händen hält. Das Sterben als Ende eines geliebten Menschen wahrzunehmen, macht deutlich, dass die gemeinsam erlebte Zeit ver- gangen ist. Der Zeitverlauf wird als lineare Bewegung, als Fluss, wahrgenom- men. Die Erfahrungen des Wachsens und Älterwerdens, des Stärker- und Schnel- lerwerdens, des Erreichens von Fähigkeiten, wie Fahrrad fahren, schwimmen oder ein Instrument spielen zu lernen, veranschaulicht im Rückblick die Spanne der verflossenen Zeit. Einschneidende Erlebnisse, wie in den Kindergarten oder in die Schule zu kommen, die Schule zu wechseln, von einem gravierenden Ereignis zu erfahren, den Tod eines geliebten Tieres zu verkraften, ein Abenteuer zu überstehen oder einen schönen Urlaub zu erleben, markieren den zeitlichen Ablauf. Im Rückblick werden vor allem diese hervorgehobenen Momente erin- nert und im Nachhinein ausgeschmückt, auch mit anderen ähnlichen Erfahrungen verquickt, während die Zeit im „Dazwischen“ aus dem Bewusstsein verschwin- det. Eine Schulung...

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