Show Less

Selbstdarstellung in der Wissenschaft

Eine linguistische Untersuchung zum Diskussionsverhalten von Wissenschaftlern in interdisziplinären Kontexten

Series:

Lisa Rhein

Selbstdarstellung, Image- und Beziehungsarbeit spielen in der Wissenschaft eine zentrale Rolle. Dieses Buch untersucht aus vornehmlich gesprächsanalytischer Perspektive, wie Images und Beziehungen der Akteure interaktiv konstituiert und ausgehandelt werden. Im Fokus stehen dabei Fachdiskussionen von Wissenschaftlern auf interdisziplinären Konferenzen. Grundlage ist ein von Soziologie und Psychologie befruchtetes linguistisches Methodeninventar. Die Autorin zeigt, wie Wissenschaftler in Diskussionen Images aufbauen, angreifen und verteidigen, wobei die Fachidentität der Akteure von zentraler Bedeutung ist. Sie erklärt ebenso, wie Wissenschaftler Kompetenz – auch bei vorhandenem Nichtwissen – signalisieren und Humor zur Beziehungsgestaltung nutzen.
Show Summary Details
Restricted access

7 Kompetenz, Expertenschaft und Nichtwissen

Extract

Auf Konferenzen ist es für Wissenschaftler von Bedeutung, sich nicht nur in eigenen Vorträgen, sondern auch in Diskussionen als kompetente, fähige und über spezielles Wissen verfügende Forscher zu präsentieren und dieses Image zu stärken� Kompetenz und Expertenwissen auf einem Fachgebiet herauszustellen, ist bereits in der Impression-Management-Theorie als Form der Imagekonstruk- tion beschrieben worden (vgl� Mummendey 1995: 147; Whitehead/Smith 1986)� Danach hilft das Präsentieren der eigenen Kompetenz und des Wissens bei der Sicherung der eigenen Stellung bspw� in Unternehmen, in der Politik und auch in der Wissenschaft89� Fachwissen und Kompetenz stellen die berufliche Ressourcen dar, die bei Stellenbesetzungen, Einwerbung von Forschungsgeldern, Einladungen zu Kon- ferenzen und Gastvorträgen, Verbreitung der Publikationen etc� relevant sind� Campbell zufolge ist an das Wissen eines Wissenschaftlers außerdem dessen Glaubwürdigkeit geknüpft: Je mehr Wissen jemand habe, umso glaubwürdiger erscheine er (vgl� Campbell 1985: 429)90� Expertenschaft und Abstufungen von Wissen werden interaktiv ausgehandelt und zwar jeweils in Bezug auf ein bestimmtes Thema� Wissenschaftler sind – g erade in interdisziplinären Kontexten – Experten auf ihrem Gebiet und Laien in fremden Forschungsfeldern� Dazwischen entwickelt sich eine ganze Bandbrei- te von Wissensgraden, die Wissenschaftler in der Interaktion aushandeln (vgl� K onzett 2012: 137, 167f�) und einander zuschreiben� In diesem Kapitel sollen die folgenden Fragen beantwortet werden: Wie prä- sentieren Wissenschaftler ihre Kompetenz und ihr Expertenwissen im interdis- ziplinären Kontext? Wie präsentieren sie sich als genauso kompetent oder noch kompetenter als ihre Diskussionspartner derselben oder einer anderen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.