Show Less

Synthesen in der Musik des 19. Jahrhunderts

Rainer Wilke

Musikalisches Material – Themen, Motive, deren Komponenten – erscheint in der Musik des 19. Jahrhunderts im Verlauf von Kompositionen in neuen Zusammensetzungen. Für deren verschiedene Strukturen wird der Begriff «Synthese» mit differenzierenden adjektivischen Bestimmungen eingeführt. Synthesen können unterschiedliche Funktionen im Verlauf der Stücke übernehmen. Der Autor geht den motivischen wie formalen Strukturen sowie deren Funktionen analytisch nach und untersucht den motivisch-thematischen Prozess, der diese Synthesen hervorbringt und bestimmt. Dadurch ergibt sich ein differenziertes Bild der materialen wie formalen Gegebenheiten – durchaus auch außerhalb geläufiger Schemata.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Zur Terminologie im Allgemeinen

Extract

Die komplexen Kompositionstechniken, die im Umkreis der motivisch- thematischen Prozesse angesiedelt sind, spiegeln sich auch in der vielfäl- tigen Terminologie, die sich in diesem Zusammenhang findet. Neben den Begriffen „Prozess“ bzw. „Prozesse“4 selbst existieren weitere Begriffe und Formulierungen, die die terminologische Fixierung der hier in Rede stehen- den kompositionstechnischen Verfahren und deren analytische Aufarbei- tung beschreibbar machen sollen. Eine lange Tradition hat der Terminus motivisch-thematische Arbeit5. Arnold Schönberg führt die Verknüpfung „entwickelnde Variation“6 ein, Vicent d’Indy spricht von „forme cyclique“7 und bezieht sich dabei auf motivisch-thematische Zusammenhänge, Fried- rich Blume schließlich referiert über den Gegensatz von „Fortspinnung und Entwicklung“8, um nur einige Ansätze und Formulierungen anzuführen. Es ergibt sich ein relativ weiter und zudem unscharfer terminologischer Horizont. Die genannten und weitere Termini stehen für eine ausgedehnte Geschichte analytischen Denkens, das auf die entsprechenden Komposi- tionstechniken gerichtet ist. Damit vermacht ist nicht nur eine inhaltliche Fügung, die sich im Verlauf dieser Geschichte ändert, sondern es ist nicht zu übersehen, dass diese Begriffsbildungen keineswegs immer deckungs- gleich mit dem hier angewandten Begriff „Prozess“ sind. Auch dieser Begriff selbst erweist sich in den verschiedenen Ansätzen und Ausarbeitungen der einschlägigen Literatur zum Teil als sehr problematisch. Darauf komme ich zurück. Allen Begriffen gemeinsam ist erstens, dass sie in verschiedener Form den Umgang der Komponierenden mit dem musikalische Material meinen, 4 vgl. die Vorbemerkung Anm. 1 und 2. 5 vgl. Blumröder (1991, Thematische Arbeit). 6 vgl. Sch...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.