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Landrechtsentwurf für Österreich unter der Enns 1526

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Wilhelm Brauneder

Der Landrechtsentwurf 1526 stellt ein bedeutendes Zeugnis der vom Humanismus geprägten frühneuzeitlichen Wissenschaft vom Privatrecht sowie vom Zivilprozessrecht dar. Er enthält einführend auch eine allgemeine Rechtslehre, etwa über Gerechtigkeit, Gewohnheitsrecht und das Gesetzgebungsrecht des Landesfürsten. Dennoch verweist er für Zweifelsfälle und Lückenfüllung nicht auf das Römisch-Gemeine Recht, sondern auf das heimische Gewohnheitsrecht. Auffallend ist auch das Bemühen um eine deutsche anstelle der lateinischen Rechtsterminologie. Obwohl die landesfürstliche Sanktion ausblieb, folgten weitere ähnliche Texte bis an die Schwelle der naturrechtlichen Kodifikationen im 18. Jahrhundert.
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II. Buch.

II. Buch.[Bl. 46a]

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[§.1.] Das gericht ist ain erliche handlung dreier person, des richter clager und antworter. und derselben handlung dienen etlich zuordnung des gerichts, etlich zu lernung der sachen und etlich zu entschied der sachen, als in den nachvolgenden articlen gesehen wierdet.

[§.2.] Ain iede gerichtshandlung wierdet gethailt in drei thail: der erst ist von ausgang der ladung biß zu verfahung des kriegs, der ander bevesstigung des kriegs, das ist der recht anfang des gerichts und kriegs biß zu dem entlichen urtl mit entlicher volfuerung derselben urtl. in dem ersten tail wierdet gehandelt, ob der richter der sachen ordenlicher oder treulicher richter sei, ob der [Bl. 46b] clager umb die sachen darumb er geladen clagen muge, ob der gwalttrager genuegsam gwalt habe, ob der clager oder sein gwalttrager in recht handlen müge, ob die ladung rechtfertig sei, ob die sach vor dem gericht gerechtfertigt werden solle, und ander dergleichen handlung.

[§.3.] In dem andern thail wierdet die haubtsach gehandelt, auszüg darwider gebraucht, khuntschaft und zeugnus gelait und wider dieselb khuntschaft und der zeugen person geredt, und anders gehandelt so zu erkhundigung der warhait in der haubtsachen dienet. in dem lezten thail wierdet entlich urtl gefellt, die gerichtscosstung gemässigt und dieselb urtl volzogen, und anders gehandelt das zu endschaft der sachen geburt.

[§.4.] Der löblich geprauch hat von alter heer einge-[Bl.  47a]fuert, den wir auch gnediclich beleiben lassen und bestätten, das ain ieder des adels in unserm furstenthumb Österreich uber...

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