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Gottessohn und Mutter Erde auf bronzezeitlichen Felsbildern

Herman Wirth und die völkische Symbolforschung

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Luitgard Löw

Die Autorin stellt Herman Wirth (1885–1981) vor, der in den 1930er Jahren ein bekannter und umstrittener Gelehrter war. Der zirkumpolare Norden galt ihm als Quelle aller Kultur. Von dort trug die nordische Rasse die urmonotheistische Hochkultur in die Welt. Urschrift, Urkultur und Ursymbolik bildeten ein Erbe, um dessen Wiederbelebung er lebenslang kämpfte. In Symbolen, die er in volkskundlichem und archäologischem Material fand, besaß es eine Kontinuität bis in die Gegenwart. Wirths Ideen sprachen Heinrich Himmler an und führten zur Gründung des «Ahnenerbes». In diesem Rahmen stellte Wirth auf zwei Expeditionen nach Skandinavien 1935 und 1936 Gipsabgüsse her, die in Deutschland als Zeugnisse der hohen Kultur der nordischen Rasse galten.
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Die Fahrten zu den „hällristningar“ 1935 und 1936

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Diese Felsbilder vor Ort zu studieren war auch ein großer Wunsch Wirths. Nur wenige Tage nach der Vereinsgründung des „Ahnenerbes“ wurde eine Expedition angekündigt, die unter Wirths Leitung nach Schweden führen sollte.798 Forschungsreisen ins Ausland, die durch den Kriegsausbruch 1939 fast zum Erliegen kamen, bedeuteten in den zwanziger und dreißiger Jahren für die zumeist jungen Wissenschaftler eine besondere Auszeichnung und die große Chance zu wissenschaftlicher Reputation.799

Nicht alle Reisen dienten zu Forschungszwecken. In einem als „geheim“ bezeichneten Bericht an das „Ahnenerbe“ schilderte der Altphilologe Franz Altheim eine Erkundungsfahrt nach Schweden, Rumänien, Syrien und Irak, die er 1938 mit seiner Assistentin Erika Trautmann unternommen hatte. Die Aufzeichnungen zu den politischen Standpunkten der jeweiligen Gesprächspartner beweisen den Spionagecharakter des Unternehmens, das direkt aus der Kasse der SS finanziert wurde.800 Die bekannteste Reise unter Heinrich Himmlers Schirmherrschaft ist vermutlich die 1938–1939 durchgeführte „Deutsche Tibet-Expedition Ernst Schäfer“, die mit Geldern der DFG, der Universum-Film-Agentur Ufa, des Werberates der Deutschen Wirtschaft, der IG-Farben und Hermann Görings zustande kam. Ernst Schäfer, ein junger Zoologe, der bereits Expeditionserfahrungen in Asien sammeln und naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse aufweisen konnte, übernahm die wissenschaftliche Leitung.801 Die Expeditionen dienten dazu, Heinrich Himmlers aus einschlägiger Literatur rezipierten mythisch-okkulten Theorien über Herkunft und Wanderungen der Arier zu bestätigen und konnten mit der finanziellen Unterstützung durch die DFG rechnen. Zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind die von 1934–1936 und 1937–1939 unternommenen Afrika-Expeditionen des...

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