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Die Patriotische Gesellschaft in Bern und Isaak Iselins Anteil an der europäischen Geschichtsphilosophie

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Margret Genna-Stalder and Lars Lambrecht

Das Buch präsentiert zwei sehr unterschiedliche Textformate: eine Forschungsarbeit von 1974 zur «Patriotischen Gesellschaft in Bern», die jetzt erstmalig gedruckt vorliegt, und eine vorläufige Dokumentation zum Anteil des Basler Ratsherrn Isaak Iselin (1728–1782) an der europäischen Geschichtsphilosophie. Iselin war Gründungsmitglied der Berner Gesellschaft und Autor der ersten deutschsprachigen Geschichtsphilosophie. Die gegenseitige Bezugnahme der beiden Studien zum «Ursprung» des geschichtsphilosophischen Denkens und dem simultanen Beginn der Patriotischen Gesellschaften am Beispiel der Berner zeigt vor allem eins: Sie macht den Anspruch jener Aufklärer plausibel, die theoretische Entwürfe mit der sozioökonomischen Praxis im Bestreben um politische Reformen verbunden wissen wollten.
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3. Zur Begründung und Entwicklung der europäischen Geschichtsphilosophie im Einzelnen: Die Entwicklung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

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3.1 Zur Begründung der Iselin’schen Geschichtsphilosophie

Wenn es um Iselins Geschichtsphilosophie geht,70 taucht in der Forschung immer wieder die Frage auf, wer ihn rsp. seine Theorie ‚beeinflusst‘ habe, z.B. A. v. Haller, wie Im Hof und Follmann meinen,71 wobei Im Hof darüber hinaus noch besonders auf Rousseau und Buffon seit Iselins Pariser Bekanntschaft mit ihnen verweist,72 während Sommer und Gisi Haller gar nicht benennen und Buffon nur erwähnen.73 Gisi geht wenigsten des Näheren auf Fontenelle ein, der, wie schon erwähnt, „im Hinblick auf Iselin noch wenig Beachtung gefunden hat“ und der neben Rousseau und der schottischen Tradition für den geschichtsphilosophischen „Ansatz Iselin […] im Wesentlichen“ die dritte Quelle darstelle.74 Früher schon hatte Schwarz schließlich den „Vorlesungen über die Staaten von Europa“ des seinerzeit bekannten Göttinger Naturrechtlehrers und Staatswissenschaftlers J.J. Schmauß „einen Anstoß zu [Iselins] ‚Geschichte der Menschheit‘“ zugesprochen.75

Als Referenzen für derartige ideengeschichtliche ‚Einfluss’zuweisungen werden in der Regel autobiographische Äußerungen des Autors oder dessen positive Zitation des ‚Lehrers‘ oder ‚Vorläufers‘ angegeben, sei’s persönlich (nach dem Motto: ‚Ich verdanke ihm‘), sei’s sachlich (‚das Werk inspirierte mich‘). Gegen solche Konstruktionen, bei denen meistens unilineare und einseitige Vereinfachungen zu der Unterstellung führen können, dass der Betreffende eines eigenen Denkansatzes oder eines eigenen systemischen Denkens nicht fähig sei, hilft nur eine multidimensionale und interdisziplinäre Erforschung der Werksystematik und ihrer Bestandteile sowie des gesellschaftsgeschichtlichen Kontextes einschließlich seines intellektuellen...

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