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Kolonialismus und Dekolonisation in nationalen Geschichtskulturen und Erinnerungspolitiken in Europa

Module für den Geschichtsunterricht

Edited By Uta Fenske, Daniel Groth, Klaus-Michael Guse and Bärbel P. Kuhn

Dieser Band bietet Lernenden und Lehrenden einen neuen Zugang zu der Frage, welche Rolle Kolonialismus und Dekolonisation in einer geteilten europäischen Vergangenheit spielen, und stellt Materialien für den Geschichtsunterricht bereit. Die Beiträge sind das Ergebnis des EU-Projektes CoDec, in dem Partner aus Belgien, Deutschland, Estland, Großbritannien, Österreich, Polen und der Schweiz zusammengearbeitet haben. Die einzelnen Module beschäftigen sich mit kolonialen Vergangenheiten, Prozessen von Dekolonisation und Erinnerungspolitiken in verschiedenen Ländern in vergleichender und transnationaler Perspektive. Sie bieten anregende Quellen und konkrete Vorschläge für einen zeitgemäßen Geschichtsunterricht an Europas Schulen.
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Innereuropäischer Kolonialismus: Zur Einführung

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Gewöhnlich beschäftigt sich die Geschichte des Kolonialismus mit den Beziehungen der europäischen Imperien zu ihren überseeischen, räumlich weit entfernten Territorien und deren angeblich „rassisch“ unterschiedlichen Bevölkerungen. Erst seit einigen Jahren hat sich die historische Forschung (und hier vor allem die „neue Imperialgeschichte“) der Geschichte der (nicht nur europäischen) Imperien einerseits und dem Kolonialismus andererseits in einer stärker integrierenden Perspektive zugewandt und hat dabei vor allem die Ähnlichkeiten und Verflechtungen von imperialer und kolonialer Herrschaft sowohl in Europa als auch darüber hinaus unterstrichen.1 Im innereuropäischen Kontext scheint eine solche Perspektive vor allem für die Territorien Mittel- und Osteuropas hilfreich zu sein, wurden diese doch lange Zeit durch die Herrschaft großer Kontinentalimperien geprägt, und zwar durch das Habsburgerreich, das Osmanische und das Russische Reich sowie Preußen und ab 1871 das Deutsche Reich, das zwar nur bedingt als Imperium zu bezeichnen ist, jedoch seit den Teilungen Polens größere Gebiete mit nicht-deutschsprachigen Mehrheiten beherrschte. Obwohl diese Herrschaft mit dem Zusammenbruch all dieser Imperien im bzw. nach dem Ersten Weltkrieg endete, waren die Folgen jener Dominanzverhältnisse in Europa noch lange zu spüren bzw. lebten in veränderter Form wieder auf, etwa im Falle der kurzlebigen, aber extrem radikalen Expansion des „Dritten Reiches“ während des Zweiten Weltkriegs oder der sowjetischen Hegemonie in Mittel- und Osteuropa, die bis 1989/1991 andauerte.2 Seit einigen Jahren wird diskutiert, ob diese imperialen Überschichtungen, die unterschiedliche Herrschafts- und Dominanzverhältnisse mit sich brachten,...

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