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Kolonialismus und Dekolonisation in nationalen Geschichtskulturen und Erinnerungspolitiken in Europa

Module für den Geschichtsunterricht

Edited By Uta Fenske, Daniel Groth, Klaus-Michael Guse and Bärbel P. Kuhn

Dieser Band bietet Lernenden und Lehrenden einen neuen Zugang zu der Frage, welche Rolle Kolonialismus und Dekolonisation in einer geteilten europäischen Vergangenheit spielen, und stellt Materialien für den Geschichtsunterricht bereit. Die Beiträge sind das Ergebnis des EU-Projektes CoDec, in dem Partner aus Belgien, Deutschland, Estland, Großbritannien, Österreich, Polen und der Schweiz zusammengearbeitet haben. Die einzelnen Module beschäftigen sich mit kolonialen Vergangenheiten, Prozessen von Dekolonisation und Erinnerungspolitiken in verschiedenen Ländern in vergleichender und transnationaler Perspektive. Sie bieten anregende Quellen und konkrete Vorschläge für einen zeitgemäßen Geschichtsunterricht an Europas Schulen.
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Die Schweiz und Ruanda: Eine problematische Partnerschaft

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Einführung in das Modul

Ruanda erlangte 1962 seine Unabhängigkeit von Belgien. Ungefähr zur selben Zeit versuchte die Schweiz, sich in einer veränderten, vom Kalten Krieg gekennzeichneten Weltordnung neu zu positionieren. Der Grund dafür war, dass die Neutralität der Schweiz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den USA kritisiert wurde. Die neue Supermacht behauptete, dass die Schweiz wirtschaftlich mit Nazi-Deutschland zusammengearbeitet hätte. Obwohl die USA das Interesse an der Kriegsvergangenheit der Schweiz verloren, als sich der Konflikt mit der Sowjetunion in den 1950er Jahren verschärfte, blieb das Image der Schweiz beschädigt. Als Reaktion darauf versuchte die Regierung der Schweiz „Neutralität“ als „Solidarität“ neu zu definieren, um die Schweizer Außenpolitik weniger „selbstsüchtig“ wirken zu lassen. Eine Art der „Inszenierung“ der Schweizer Solidarität war das Engagement in „technischer Entwicklungshilfe“ für Länder der „Dritten Welt“. Ende der 1950er Jahre fingen Schweizer Behörden an, sich nach einem geeigneten Entwicklungs-„Partner“ umzusehen. Als die junge, seit kurzem unabhängige Regierung Ruandas die Schweiz Anfang der 1960er Jahre um Hilfe beim Aufbau einer neuen nationalen Infrastruktur bat, wurde diese Initiative von den Schweizer Regierungsbehörden nur zu gerne aufgegriffen. Ruanda wurde schnell ausgewählt, das „Schwerpunktland“ für die Entwicklungshilfe der Schweiz zu werden.

Die Geschäfte der Schweiz in Ruanda wurden 2008 plötzlich Gegenstand einer hitzigen öffentlichen Debatte, als ein Roman des Schweizer Schriftstellers Lukas Bärfuss veröffentlicht wurde.1 Obwohl...

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