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Kolonialismus und Dekolonisation in nationalen Geschichtskulturen und Erinnerungspolitiken in Europa

Module für den Geschichtsunterricht

Uta Fenske, Daniel Groth, Klaus-Michael Guse and Bärbel P. Kuhn

Dieser Band bietet Lernenden und Lehrenden einen neuen Zugang zu der Frage, welche Rolle Kolonialismus und Dekolonisation in einer geteilten europäischen Vergangenheit spielen, und stellt Materialien für den Geschichtsunterricht bereit. Die Beiträge sind das Ergebnis des EU-Projektes CoDec, in dem Partner aus Belgien, Deutschland, Estland, Großbritannien, Österreich, Polen und der Schweiz zusammengearbeitet haben. Die einzelnen Module beschäftigen sich mit kolonialen Vergangenheiten, Prozessen von Dekolonisation und Erinnerungspolitiken in verschiedenen Ländern in vergleichender und transnationaler Perspektive. Sie bieten anregende Quellen und konkrete Vorschläge für einen zeitgemäßen Geschichtsunterricht an Europas Schulen.
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Der Kongo in flämisch/belgischer und postkolonialer belgisch/kongolesischer kollektiver Erinnerung

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Einführung in das Modul

Vergangenheit und Geschichte sind nicht das Alleineigentum von Historikern und Historikerinnen. Viele Menschen, Individuen, Gruppen, Behörden und Vereine beschäftigen sich sehr engagiert mit der Vergangenheit. Aus diesem Grund spielt Geschichte eine bedeutende Rolle für die Gesellschaft im Allgemeinen. Regierungen zum Beispiel versuchen, eine sehr spezifische Vorstellung von der Vergangenheit zu konstruieren, ein kollektives kulturelles Gedächtnis zu erzeugen, um gegenwärtige Anliegen zu verfolgen (wie Zusammenhalt, Aufbau einer kollektiven Identität). Das geschieht durch die Stiftung von Gedenkstätten, Denkmälern oder Statuen, die Widmung von Straßennamen oder die Einrichtung von Museen und gesetzlichen Feiertagen usw. Durch die Bildung eines kollektiven Gedächtnisses wird die Vergangenheit auf sehr selektive Art genutzt. Nur diejenigen Elemente, die gegenwärtigen Zielen dienen, werden erinnert. Auf diese Weise wird die Vergangenheit häufig stark vereinfacht dargestellt. Die kollektive Erinnerung jedoch ist sehr dauerhaft und bewahrt Vorstellungen von der Vergangenheit für eine lange Zeit, auch wenn diese durch die akademische Geschichtsschreibung längst widerlegt sind. Das zeigt sich sehr deutlich an der belgisch-kongolesischen kolonialen, kulturellen und kommunikativen kollektiven Erinnerung in Belgien. Während in der internationalen akademischen Geschichtsschreibung Belgien und die belgische Kolonialherrschaft als schlechtester Schüler der kolonialistischen/imperialistischen „Klasse“ dargestellt wird, ist die koloniale Vergangenheit in der belgischen kollektiven Erinnerung, wie sie sich zum Beispiel in Straßennamen, Denkmälern und Statuen ausdrückt, vor allem gekennzeichnet durch Ruhm, Euphorie, Nostalgie und die völlige Abwesenheit von Kritik gegenüber...

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