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Dr. Mabuse und seine Zeit

Eine deutsche Chronologie

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Sven Safarow

Die Kunstfigur Dr. Mabuse war immer schon ein vortreffliches Spiegelbild soziopolitischer Entwicklungen. In diesem Essay werden Ursprung und Figurenkonzeption von Norbert Jacques’ literarischer Schöpfung intensiv untersucht. Was in der Vorlage nur angedeutet war, wird in der filmischen Interpretation Fritz Langs offenbar: Dr. Mabuse bildet eine sukzessive Metapher für die historischen Umbrüche innerhalb der deutschen Geschichte seit Ende des Ersten Weltkriegs.
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Mythos und Wahnsinn

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Ein Zwischentitel aus INFERNO zeigt, wie von Harbou und Lang Jacques’ komplex angelegter Schöpfung einen fast karikaturhaften Zug verpassen: „Jetzt soll die Welt erst erfahren, wer ich bin, – ich! Mabuse! – Ich will ein Gigant werden, – ein Titan, der Gesetze und Götter durcheinander wirbelt wie dürres Laub!!“

Da ist nicht Norbert Jacques’ Mabuse ist. Dieser will der Zivilisation für immer den Rücken kehren. Doch Langs Mabuse will die Macht. Indem sich Mabuse hier als zukünftiger Gigant und Titan bezeichnet, wird eine mythologische Ebene aufgemacht, die ganz im Sinne des Regisseurs ist, beschäftigt er sich doch auch in anderen Werken dieser Zeit wie DER MÜDE TOD (1921), METROPOLIS und DIE NIBELUNGEN (1924) mit dem Mythos.

Auffallend an diesem Zwischentitel ist, dass Mabuse von Gesetzen und Göttern spricht, denen er gleichermaßen respektlos begegnet. Ein seltsames Begriffspaar. Hier wird zum einen der Mythos bemüht, zu dem er sich mit seinen spektakulären Verbrechen selbst erheben will, zum anderen die Justiz.

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