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Zwischen Korallenriff und Stacheldraht

Interniert auf Rottnest Island, 1914–1915

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Alexandra Ludewig

Das Buch illustriert anhand zahlreicher Fotos das Leben im Internierungslager auf Rottnest Island (Australien). Dort wurden im Ersten Weltkrieg neben zivilen feindlichen Ausländern aus Deutschland und Österreich-Ungarn auch indigene Strafgefangene von australischen Soldaten und Wachen festgehalten. Dennoch kam es zu seltenen Momenten der Verbrüderung über nationale und ethnische Grenzen hinweg. Die Koexistenz von Männern unterschiedlichster Herkunft und Sozialisation, die oft nicht einmal eine gemeinsame Sprache hatten und doch mitten im Ersten Weltkrieg eine friedliche Gemeinschaft pflegten, mag im Rückblick auf die Geschichte als Inspiration dienen.
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3. Die Geschichte der Gefängnisinsel Rottnest

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Rottnest Island hat eine lange Geschichte als Gefängnisinsel. Seit der Besiedlung Westaustraliens 1829 spielte die Insel eine Rolle in der Siedlungspolitik der Kolonialverwaltung. Davor war die Insel mehrere tausend Jahre unbewohnt gewesen. Gegen Ende der letzten Eiszeit zogen sich die den Südwesten Australiens bevölkernden Ureinwohner aufgrund des steigenden Meeresspiegels von den Küstenregionen zurück, die zunehmend von Überflutungen bedroht waren. Das Ansteigen des Meeresspiegels führte dazu, dass sich ein Streifen entlang der westaustralischen Küste zu einer Inselgruppe entwickelte, die vor sechs- bis siebentausend Jahren endgültig vom Festland getrennt wurde. Seitdem spannen sich Legenden der Ureinwohner um diese für sie unerreichbaren Inseln, denn die dort ansässigen Wadjuk-Nyungar Familienclans fuhren nicht zur See und bauten auch keine Kanus oder anderweitigen Flöße oder Boote, um zu fischen oder die Gewässer zu erkunden. So wurde die größte der sich über Jahrhunderte formierenden Inseln (Rottnest), umgeben von Sandsteinriffen, von den Nyungar in ihrer Sprache Wadjemup / „land across the water“, das Land jenseits des Wassers genannt, auf dem sie die Seelen / „spirits“ ihrer Vorfahren vermuteten.58 Ihre Gründungsmythen nehmen daher immer wieder Bezug auf diese Insel vor ihren Jagdgründen.

Als die ersten europäischen Seefahrer vor der Küste Westaustraliens auftauchten, zuerst Portugiesen, dann Niederländer, wurden sie von den Ureinwohnern als Erscheinungen ihrer Ahnen wahrgenommen. Besonders die niederländischen Händler kamen unbeabsichtigt in Küstennähe,59 als sie auf ihrem Weg nach Batavien (dem...

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