Bildungsstandards Geschichte
Bestandsanalyse, Standardkonzeption und Aufgabenentwicklung für das Fach Geschichte am Gymnasium unter besonderer Berücksichtigung der Orientierungskompetenz und des Werteverständnisses
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Table Of Contents
- Cover
- Titel
- Copyright
- Autorenangaben
- Über das Buch
- Zitierfähigkeit des eBooks
- Danksagung
- Inhaltsverzeichnis
- 1. Einführung in die Themenstellung
- 2. Definitionen ausgewählter Begriffe
- 2.1 Bildung bzw. Bildungsverständnis
- 2.2 Lehrplan
- 2.3 Curriculum
- 2.4 (Bildungs-) Standards
- 2.5 Kompetenzen und Kompetenz(stufen)modelle
- 2.6 Grundwissen
- 2.7 Outcome-Orientierung und Evaluation
- 2.8 Allgemeinbildung bzw. gymnasiale Bildung in Lehrplänen und Standards
- 3. Lehrpläne und Unterricht im Fach Geschichte: Standards zum Mittleren Bildungsabschluss (Jahrgangsstufe 10)
- 3.1 Geschichtsunterricht in Bayern: Der Status Quo
- 3.2 Standards und Kompetenzen im Fach Geschichte: Problemstellungen
- 3.3 Literacy: Ein Schlagwort der Standardisierung und seine Relevanz für die Entwicklung von Bildungsstandards im historischen Kontext
- 3.4 Kompetenzmodelle im Fach Geschichte – Überblick über den derzeitigen Sachstan
- 4. Die moralische Dimension im schulischen Kontext
- 4.1 Wertorientierung in Standards und deren Evaluation
- 4.2 Wertevermittlung im historisch-politischen Sachzusammenhang
- 5. Fächer ohne Bildungsstandards – Fächer zweiter Güte?
- 5.1 Hintergrund
- 5.2 Fachspezifische Besonderheiten ausgewählter Fächer ohne Bildungsstandards
- 5.2.1 Religionslehre und Ethik
- 5.2.2 Sozialkunde bzw. Politische Bildung
- 5.2.3 Kunsterziehung
- 5.2.4 Ausblick für die vorgenannten Fächer
- 6. Bildungspolitische Schwerpunktsetzungen in ausgewählten Staaten mit Bezug zu Standardsetzung und Kompetenzorientierung
- 6.1 Italien und die Niederlande
- 6.2 Großbritannien
- 6.3 Der nordamerikanische Kontinent: USA und Kanada
- 6.4 Ausgewählte skandinavische Staaten: Schweden und Finnland
- 6.5 Schweiz
- 7. Standards für den gymnasialen Geschichtsunterricht: Scheitern und Erfolg
- 7.1 B-Länder-Arbeitsgruppe
- 7.2 Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung. Geschichte
- 8. Blick auf den Entwicklungsstand in deutschen Ländern
- 8.1 Baden-Württemberg
- 8.2 Bayern
- 8.3 Berlin
- 8.4 Nordrhein-Westfalen
- 8.5 Hamburg
- 8.6 Inhaltsbezogener Vergleich länderspezfischer Lehrpläne
- 8.7 Standards und Kompetenzen zur Geschichte Europas
- 9. Theoretische Grundlegung von Testaufgaben am Gymnasium
- 10. Praxisbeispiele für Testaufgaben
- 10.1 Grundwissenstests am Ignaz-Kögler-Gymnasium Landsberg am Lech
- 10.2 Leistungstests am Ruperti-Gymnasium Mühldorf am Inn
- 11. Beispielhafte Testaufgabe für den standardbasierten und kompetenzorientierten Geschichtsunterricht
- 11.1 Entwicklung
- 11.2 Erprobung und Auswertung
- 12. Gelingensbedingungen für die Implementierung von Bildungsstandards – Chancen und Herausforderungen in der praktischen Umsetzung
- 13. Nutzung der Forschungsergebnisse: Bildungsstandards als effektive Maßnahme zur Unterrichtsentwicklung und schulischen Qualitätssteigerung
- 14. Ausblick
- 15. Literatur
- 15.1 Bücher, Aufsätze, Internetartikel
- 15.2 Texte ohne Autorennamen
- 15.3 (Unveröffentlichte) Manuskripte, Pressemitteilungen
- 15.4 Mitschriften aus Tagungen und Vorträgen
- 15.5 Hilfreiche Internet-Links
- 16. Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen
- 16.1 Tabellen
- 16.2 Abbildungen
9. Theoretische Grundlegung von Testaufgaben am Gymnasium
In Zeiten zunehmender Egalisierung von Bildungsherausforderungen, in denen das Leistungsprinzip häufig geschmäht wird und der Begriff der „Elite“ seine Hochwertfunktion verloren hat, ja, sich ins Gegenteil verkehrt und aufgrund falscher Ideologiehörigkeit als etwas der grundsätzlichen Gleichheit aller Schüler Entgegenstehendes betrachtet wird, ist es vonnöten, zunächst eine differenzierte Abgrenzung des Gymnasiums von anderen Schularten vorzunehmen, um den Leistungsanspruch entsprechender Prüfungen zu verdeutlichen.845 Dabei zeigt ein Blick in die Schulsysteme der Länder in der Bundesrepublik, dass die Vielfalt der Bezeichnungen und Ausbildungswege zwischenzeitlich einen Grad erreicht hat, der eine Vergleichbarkeit erschwert und die zunehmende Mobilität wenn nicht erschwert, so doch zumindest nicht erleichtert. Dass dabei teilweise Begriffe wie „Mittelschule“ sogar unterschiedliche Bedeutungen tragen und deshalb zusätzlich zu einer Verwirrung beitragen, verdeutlicht die Schwierigkeit eindeutiger Abgrenzungen, so dass eine Vergleichbarkeit über Ländergrenzen oftmals nur noch im Bereich des Gymnasiums gegeben ist.846 Auf diese Tatsache reagieren beispielsweise auch Ländervergleiche, die auf Differenzierungen bei Haupt- und Realschulen größtenteils verzichten und lediglich das Gymnasium noch als vergleichbare Bezugsgröße der Länder heranziehen.
Für die Entwicklung von Standards und Kompetenzen für die Jahrgangsstufe 10 erfolgt deshalb – vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der oben geschilderten, schulartübergreifenden B-Länder-Arbeitsgruppe – eine Beschränkung ← 391 | 392 → auf den gymnasialen Bereich, zumal wir hier zugleich eine besondere Verpflichtung im Rahmen der Werteerziehung und -vermittlung erkennen können.847 Dabei hilft zunächst ein Blick auf zentrale Aspekte dieser Schulart, mithin die Klärung der Fragestellung: Was ist „gymnasiale Bildung“? Die Wichtigkeit, „wenigstens die Ziele gymnasialer Bildung präzise zu bestimmen“, finden wir bei HEINZ-PETER MEIDINGER hervorgehoben, der ausführt:
„Rein funktional gesehen soll das Gymnasium seine Schüler zur allgemeinen Hochschulreife führen, d. h. zu der Befähigung, alle möglichen Fächer an der Hochschule in der Zukunft erfolgreich studieren zu können. Gymnasiale Bildung kann aber auch inhaltlich-materiell bestimmt werden, so wie sie sich im Zusammenhang mit der sehr erfolgreichen Geschichte des deutschen Gymnasiums herauskristallisiert hat. Gymnasiale Bildung fußt zunächst einmal auf einer breiten Allgemeinbildung. Die moderne Lerntheorie hat erwiesen, wie wichtig ein umfassendes Vorwissen für die Vernetzung neuer Lerninhalte ist. Breite Allgemeinbildung ist damit selbst eine Schlüsselqualifikation. Gymnasiale Bildung zielt auf die Vermittlung eines reflexiv-kritischen, wertebezogenen und ästhetischen Bewusstseins. Problembewusstsein, Werteorientierung und kritische Urteilskraft sind Kernbegriffe dieses Bildungskonzepts848, das damit weit über das Literacy-Konzept der OECD-Bildungsstudien hinausreicht. Gymnasiale Bildung bedeutet immer auch Suche nach kultureller Identität, Verwurzelung in der eigenen Tradition und deren Weitergabe sowie eine umfassende Verständigungskompetenz für eine positive Auseinandersetzung mit anderen Kulturen. Gymnasiale Bildung dient letztendlich der vollständigen Ausbildung der eigenen Persönlichkeit, von deren Anlagen und Möglichkeiten, nicht allein zur Selbstverwirklichung, sondern gleichermaßen mit dem Ziel der Übernahme sozialer Verantwortung in einer humanen Gesellschaft als mündiger Bürger.“849
MEIDINGER schließt sein Editorial mit der Feststellung, dass es nicht schaden könne, „in der Bildungspolitik diese zutiefst humanistische und eben nicht ökonomisch-utilitaristische Sichtweise von gymnasialer Bildung verstärkt in den Fokus zu nehmen“.850 Auch andernorts finden wir Hinweise auf den Bildungsauftrag des Gymnasiums, die unserem Anliegen einer Vermittlung von Werten entgegenkommen und einen umfassend gebildeten, d. h. auch menschlich reifen Schüler zum Ziel haben.851 In fast allen entsprechenden Publikationen finden ← 392 | 393 → sich demzufolge Anhaltspunkte für die Wertorientierung bzw. für eine ethische Ausprägung des unterrichtlichen Lebens, im Folgenden sogar als „Leistungsprogramm“ des Gymnasiums tituliert:
„Das Leistungsprogramm des Gymnasiums
– Die Legitimation der Fach- und Methodenkompetenz leitet sich von der ständig zu aktualisierenden Befähigung ab, die Lebensprobleme der Gegenwart wie der Zukunft zu bewältigen. Jedes Fach muss sich der Frage stellen, warum seine Lerninhalte und seine Lehr- und Lernmethoden heute gebraucht werden.
– Das Gymnasium soll soziale wie emotionale Kompetenz vermitteln und fördern, d. h. Erfahrungs- und Erlebnisräume wie auch Handlungsfelder schaffen, die Ziele und Werte wie Wahrnehmung und Achtung der anderen, Hilfsbereitschaft und Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Selbstkontrolle, Umgehen mit Emotionen und Aushalten von Belastungen stabilisieren.
– Die ethische Kompetenz umgreift die Erziehung zur Mitmenschlichkeit, zur richtig verstandenen Solidarität, zu Zukunftsbejahung und positiver Lebenseinstellung.“852
Für die Lehrkraft am Gymnasium erwachsen aus diesem Anspruch vielfältige Aufgaben bzw. Verpflichtungen, die über den rein fachlichen Bereich hinausgehen oder, wie dies unser Anliegen ist, in diesen integriert werden. Diese Integration bietet diverse Vorteile:
Details
- Pages
- 596
- Publication Year
- 2016
- ISBN (Hardcover)
- 9783631669242
- ISBN (PDF)
- 9783653064551
- ISBN (MOBI)
- 9783653955187
- ISBN (ePUB)
- 9783653955194
- DOI
- 10.3726/978-3-653-06455-1
- Language
- German
- Publication date
- 2016 (January)
- Keywords
- Wertebewusstsein Orientierungskompetenz Kompetenzorientierung Lehrplanentwicklung
- Published
- Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2016. 596 S., 32 Tab., 16 Graf.
- Product Safety
- Peter Lang Group AG