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Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

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Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
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1.1 Nikolaus Lenau in den slawischen Literaturen Mitteleuropas um 1900

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1.1  Nikolaus Lenau in den slawischen Literaturen Mitteleuropas um 1900

Ein übergreifender komparatistisch ausgerichteter Blick auf die slawischen Literaturen des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts belegt augenfällig die kontinuierliche und intensive Aufmerksamkeit, der sich Kunst- und Lebenstext1 von Nikolaus Lenau erfreuten. Diese Aufmerksamkeit griff (natürlich mit jeweils unterschiedlicher Schwerpunktsetzung) über die Epochengrenzen von Romantik, Realismus und Moderne hinweg und resultierte in einer ständigen Verschiebung und Modifizierung des über Kritiken, Übersetzungen und intertextuelle Verweise in den eigenen lyrischen bzw. essayistischen Texten generierten Lenau-Bildes, das im Rückgriff auf den österreichischen Autor die jeweils eigene ästhetische Position legitimieren sollte. Auffällig an diesem Prozess ist dabei nicht nur die zeitliche Kontinuität der Lenau-Rezeption in den slawischen Literaturen, die niemals gänzlich abriss, sondern auch der Umstand, dass sich immer wieder zentrale Autoren der diversen Stilformationen mit Lenaus Werk auseinandergesetzt haben. So existiert z. B. in der Tradition der russischen Literatur ein romantischer, über die Nachdichtungen Vasilij Žukovskijs und Fedor Tjutčevs generierter Lenau, ein Lenau im Zeichen des kritischen Realismus (vgl. die Übersetzungen Michail Michajlovs und Aleksej Pleščeevs), ein präsymbolistischer Lenau über Aleksej Apuchtins Nachdichtung des ersten Schilflieds und ein ausgeprägt symbolistischer Lenau in Valerij Brjusovs und Konstantin Bal’monts Übertragungen der Schilflieder. Ein ähnlich kontinuierliches Bild bis zur Moderne der Jahrhundertwende bietet auch die tschechische Literatur mit Namen wie Jan Pravoslav Koubek (er veröffentlichte 1850 einen in Gedichtform gehaltenen Nachruf auf den kurz zuvor verstorbenen Lenau), V...

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