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Kathedrale – Kunstgeschichte – Kulturwissenschaft

Ansätze zu einer produktiven Problemgeschichte architekturhistorischer Deutungen

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Christian Nille

Das Buch stellt erstmals die architekturhistorischen Deutungen der mittelalterlichen Kathedrale zusammen, welche die Forschung in den letzten rund 150 Jahren erarbeitet hat. Diese Deutungen verortet und diskutiert der Autor im Kontext der allgemeinen Kunstgeschichte sowie der Kulturwissenschaft. Ziel ist es, zentrale Forschungsprobleme und deren Lösungen aus den einzelnen Bereichen herauszuarbeiten und für die anderen Bereiche zu nutzen. Diese produktive Problemgeschichte geht zunächst wissenschaftsgeschichtlich vor, um die Ergebnisse dann für die aktuelle Forschung produktiv zu machen. Der Leser erfährt somit, wo die Forschung steht, auf welchen Traditionen sie beruht, welche Alternativen dazu existieren und wie sich einzelne Problemlösungen sinnvoll kombinieren lassen.
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b) Wissenschaft und Leben

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Die von Fuchs gegebene Gegenwartsdiagnose und -kritik erlaubt es, nochmals auf die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Leben zurückzukommen, deren Trennung Fuchs oben ja explizit anklagt. Da die Kritik starke Ähnlichkeit mit jener der Postmoderne an der gegenwärtigen Situation (vgl. Kap. 3.1.b) sowie mit Nietzsches Vorwurf, die (historische) Wissenschaft zerstöre das Leben (vgl. Kap. 3.3.e), aufweist, muss zunächst Fuchs’ Position genauer geklärt werden.

Erstens gilt, dass Fuchs, wie gesehen, grundsätzlich an der Wissenschaft festhalten will und sie gegen auflösende Annahmen verteidigt. Zweitens präzisiert Fuchs die Kritik: „Es kann nicht darum gehen, diese Entwicklung zu beklagen, sondern sie im Bewusstsein zu halten und vor allem Kompensationen zu schaffen“.1207 Unzweifelhaft bestimmen die genannten Aspekte heute einen großen Teil des Lebens, doch ist es Aufgabe der Wissenschaft, diese Konstellation in ihren Vor- und Nachteilen zu reflektieren, das heißt die daraus resultierenden Konsequenzen deutlich zu machen und, ← 352 | 353 → wo Defizite erkennbar werden, mögliche Alternativen aufzuzeigen. Nicht kann es um ein Beklagen in dem Sinne gehen, dass die Wissenschaft vorschreibt, was zu tun ist. Hier ist die Trennung, die Weber zwischen beiden Sphären gezogen hat, entscheidend. Drittens richtet sich die Kritik von Fuchs gegen eine bestimmte Art der Wissenschaft, was sich viertens durch den phänomenologischen Standpunkt erkennen lässt:

„Phänomenologie läßt sich als der methodische und systematische Versuch begreifen, von der wissenschaftlichen Erklärung der Welt ‚zu den Sachen...

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