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Kathedrale – Kunstgeschichte – Kulturwissenschaft

Ansätze zu einer produktiven Problemgeschichte architekturhistorischer Deutungen

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Christian Nille

Das Buch stellt erstmals die architekturhistorischen Deutungen der mittelalterlichen Kathedrale zusammen, welche die Forschung in den letzten rund 150 Jahren erarbeitet hat. Diese Deutungen verortet und diskutiert der Autor im Kontext der allgemeinen Kunstgeschichte sowie der Kulturwissenschaft. Ziel ist es, zentrale Forschungsprobleme und deren Lösungen aus den einzelnen Bereichen herauszuarbeiten und für die anderen Bereiche zu nutzen. Diese produktive Problemgeschichte geht zunächst wissenschaftsgeschichtlich vor, um die Ergebnisse dann für die aktuelle Forschung produktiv zu machen. Der Leser erfährt somit, wo die Forschung steht, auf welchen Traditionen sie beruht, welche Alternativen dazu existieren und wie sich einzelne Problemlösungen sinnvoll kombinieren lassen.
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f) Weitere begriffliche Differenzierungen

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Bei Krautheimer wurde bemängelt, dass er teilweise eine Rezeption eines bestimmten Baus angibt, diese dann aber verallgemeinernd deutet. Dass in Fulda etwa das Querhaus von St. Peter abgebildet wird, heißt nach Krautheimer, „daß die Fuldaer Mönche so römisch wie die Römer, und vielleicht sogar noch römischer als diese, sein wollten.“1969 Doch bedeutet es einen Unterschied, ob man sich auf einen konkreten Bau bezieht oder auf eine größere Einheit. Um diese und andere Konstellationen begrifflich besser greifen zu können, erweist sich eine Arbeit von Schmidt als hilfreich.1970 Ich werde die zentralen Unterscheidungen skizzieren.

Nachdem Schmidt in Bezug auf den Begriff „Zitat“ eine „‚babylonische‘ Begriffsverwirrung“ konstatiert hat, macht er folgenden Vorschlag:1971

„Künftig sollte versucht werden, zwischen den einzelnen Begriffspaaren (einerseits direkte und freie Zitate, andererseits Architekturkopie und Paraphrase) zu differenzieren. Während es sich beim ‚Zitat‘ allgemein um eine bestimmte architektonische Klein- oder Großform handelt (z.B. Schlußsteine, Profile bzw. Fenster, Portale), umreißen die Begriffe ‚Architekturkopie‘ und ‚Paraphrase‘ die Rezeption ganzer Bauten, zumindest aber Baukörper.“1972 ← 540 | 541 →

Daraufhin werden die einzelnen Paare genauer bestimmt: Beim „direkten Zitat“ handelt es sich um „die unmittelbare Berufung auf ein konkret vorbildhaft wirkendes Baudetail.“ Diese Form tritt vor allem im politischen Kontext auf und dient der Legitimation. Hiervon unterscheidet sich das „freie Zitat“ zunächst durch seine formale Beziehung zum Vorbild: „Gegenüber der Vielzahl der ‚direkten Zitate‘ gibt es auch jene Zitate,...

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