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Die Kriegsrechtfertigung in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr.

Vom Korinthischen Krieg bis zur Schlacht bei Chaironeia (395–338 v. Chr.)

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Thomas Bounas

Das Spektrum des Argumentierens über die Begründung und Rechtfertigung des Krieges in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr. gestaltete sich breiter und komplexer als bisher angenommen. Der Autor analysiert einschlägige historische Reden und publizistische Ausarbeitungen, die unmittelbar Bezug auf Einstellungen und Mehrheitsmeinungen der damaligen Zeit genommen haben. Neben dem formalen Recht stehen auch ethische Aspekte sowie die Frage nach dem materiellen und machtpolitischen Nutzen im Mittelpunkt. Durch eine vergleichende Analyse von Texten des Andokides, Lysias, Isokrates und Demosthenes wird eine systematisierende Bilanz zur konzeptionellen Klassifizierung der Kriegsrechtfertigungen gezogen.
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VI. Zusammenfassung und Auswertung der einzelnen Konzeptionen

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VI. Zusammenfassung und Auswertung der einzelnen Konzeptionen

1. Konzeptionelle Klassifizierung der Kriegsrechtfertigung anhand historischer Exempla

Die Argumentation zur Rechtfertigung eines Krieges in der attischen Rhetorik vom Korinthischen Krieg bis zur Schlacht bei Chaironeia hängt von diversen Faktoren ab. Dazu gehören einerseits die innen- wie außenpolitischen Verhältnisse zum jeweiligen Zeitpunkt, die sozioökonomische Lage einer Polis bzw. ganz Griechenlands und die machtpolitischen Ziele und Interessen der betroffenen Poleis bzw. der Königreiche. Andererseits spielen die Person und Intention des Redners, seine politischen und weltanschaulichen Ansichten, seine persönlichen Ziele und Charakterzüge sowie die gewählte Redegattung und die konkrete Ausrichtung der jeweiligen Rede eine entscheidende Rolle.

Die Ausarbeitung von vornehmlich symbuleutischen Reden und Prunkreden hat für eine lange Periode hellenischer Polisgeschichte die Voraussetzungen geschaffen, damit die unterschiedlich entstandenen Kriegsrechtfertigungsversuche einzelner Rhetoren untersucht und systematisiert werden können. Es hat sich schließlich trotz aller Unterschiede ein weitgehend einheitliches Modell ergeben. Dieses kann in zwei Oberkategorien geteilt werden: Zur ersten Kategorie gehören die formal und sachlich abgesicherten und zur zweiten die situativ bedingten, einseitigen Begründungen einer Kriegsrechtfertigung. Unter Berücksichtigung der Gliederung des rhetorischen Vorgehens durch Anaximenes von Lampsakos, das auch auf den Diskurs der Kriegsrechtfertigung angewendet werden kann, gehören zur ersteren Kategorie Argumente, die dem δίκαιον und νόμιμον, zur zweiten solche, die dem δίκαιον1, συμφέρον, δυνατόν und καλόν entsprechen.2 Aus der Untersuchung ergab sich, dass diese einzelnen Argumente in Bezug auf die Kriegsrechtfertigung inhaltlich bestimmt und definiert...

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