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Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

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Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
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Literaturlinguistik?– eine Einf�

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Jochen A. Bär / Jana-Katharina Mende / Pamela Steen

Literaturlinguistik – eine Einführung

Die Einheit des Fachs Germanistik wurde de facto aufgegeben. Inhaltlich finden sich so wenig Berührungspunkte, dass Literaturwissenschaft und Sprachwissenschaft heute an vielen deutschen Universitäten bereits getrennte Institute darstellen. Historisch hängt dies zweifellos zusammen mit der Entwicklung herrschender Forschungsparadigmen. Immer wieder hört und liest man in diesem Zusammenhang, dass es der Linguistik insbesondere um das ‚Material‘ und die Strukturen der Sprache im Ganzen gehe, der Literaturwissenschaft um die Interpretation einzelner Texte, die als ‚Werke‘ verstanden werden und denen Unizität zugeschrieben wird. Mit Sprach- und Literaturwissenschaft stehen sich also zwei unterschiedliche Wissenschaftsauffassungen gegenüber: eine, die auf „Gesetze, Formen und Strukturen“ (Busse/Teubert 1994, 12) ausgerichtet ist, und eine, die sich als „Analyse von konkreten Texten und ihren Bestandteilen“ versteht und der es „auch (wenngleich nicht nur) auf Inhalte ankommen kann“ (ebd.).

Die strukturalistische, auf systemorientierter Sprachbetrachtung basierende Linguistik der 1960er Jahre wollte – im Sinne von Ferdinand de Saussures Plädoyer für das Sprachsystem, die langue, und gegen die einzelne sprachliche Äußerung, die parole, als legitimen Forschungsgegenstand – eben dies: sich von einer als unzulänglich empfundenen philologischen Einzelfallbetrachtung abgrenzen. Es war die gezielte Abwendung von einer Philologie alten Stils, die seinerzeit vielen der damals jungen Wilden nicht nur wissenschaftlich überholt, sondern zudem, angesichts der Geschichte des Fachs Germanistik während des Nationalsozialismus, auch noch moralisch kompromittiert schien.

Im Zuge der linguistischen Emanzipation war die...

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