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Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

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Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
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Faktizität als Schein. Peter Szondis Hermeneutik und die Korpuslinguistik

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Peter Szondis hermeneutische Reflexionen haben innerhalb der Literaturwissenschaft vielfach Beachtung erfahren; sie waren denn auch an der Verbreiterung von deren methodologischer Basis und an der systematischen Erkundung ihrer epistemologischen Voraussetzungen in entscheidendem Maße mitbeteiligt. Auch die metaphilologischen Theorien der neuesten Zeit, die dem Verstehen einen autopoietischen Zug attestieren und es derart zu der Genese der einzelnen Dichtung, zu dem Prozess, dem diese entspringt und den sie in eine Strukturgestalt überführt, in Beziehung setzen1, sind Szondi verpflichtet. Indessen hat er auf sprachwissenschaftliche Strömungen, die ihrerseits zu den theoretischen Grundlagen nicht nur des alltäglichen, sondern auch des methodisch kontrollierten, wissenschaftlichen Verstehens, der philologischen Beschreibung der Sprache im Allgemeinen und der Auslegung sprachlicher Äußerungen im Einzelnen vorzustoßen suchen – es seien an dieser Stelle lediglich die Textlinguistik2, die linguistische Hermeneutik3 ← 31 | 32 → und die Diskursanalyse4 genannt –, keinen substantiellen oder zumindest greifbaren Einfluss geübt. Das ist umso frappierender und bedauerlicher, als er seinerseits in seinen späten Arbeiten linguistische Analyseverfahren für die Exegese literarischer Texte fruchtbar gemacht hat, und zwar mit einer solchen Stringenz, dass diese Modelle samt dem Vokabular, in dem sie sich auskristallisieren, nicht mehr aus der Interpretation wegzudenken sind, sondern sie gleichzeitig tragen und umfangen; in den postum veröffentlichten Celan-Studien (Szondi 1978d) zum Beispiel ähneln die kohärent sich fortspinnenden sprachwissenschaftlichen und -theoretischen Aperçus bzw. Überlegungen einem Faden, an welchem die vielfältigen Einzelbeobachtungen sich nach einer bestimmten Logik aneinanderreihen und der zugleich der Untersuchung als Ganzer die Richtung weist....

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