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Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

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Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
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Emotionen in literarischen Texten: Eine sprachwissenschaftliche Analyse

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1.Einleitung

„Heul-Tussi schmeißt hin“ titelt die BILD am 24. 1. 2015 und bezieht sich damit auf den freiwilligen Abbruch einer Teilnehmerin der Fernsehshow Ich bin ein Star – Holt mich hier raus. Dieser Titel stellt zum einen implizit eine Emotion dar, weil das Determinans der Ad-hoc-Bildung Heul-Tussi indexikalisch auf die Emotion der TRAUER (eventuell auch der HYSTERIE) verweist. Zum anderen wird gleichzeitig eine quasi gegenläufige Emotion konstituiert, nämlich die der (SCHADEN-)FREUDE. Dies geschieht durch die Verbindung von heul mit dem umgangssprachlichen und dysphemistischen Lexem Tussi. Folgt man Busses (2009) Überlegungen zur Prädikation durch Wortbildung, so lässt sich Heul-Tussi auflösen in die Prädikation Tussi, die ständig heult. In dieser impliziten Prädikation werden die dargestellte Emotion der TRAUER sowie die ablehnende Haltung und damit verbundene ausgedrückte Emotionen HÄME und SCHADENFREUDE noch deutlicher. Die Konstitution dieser Emotion wird in diesem Fall zudem durch den Kontext unterstützt. Wer die Sendung Ich bin ein Star – Holt mich hier raus kennt, weiß, dass es in diesem TV-Format genau darum geht, Häme und Schaden­freude zu erzeugen.

Der Beitrag widmet sich der Frage, wie Emotionen in Texten konstituiert werden. Emotionalität wird hier als Teil der Bedeutung von Äußerungen und Texten aufgefasst. Es sei gleich vorweggenommen, dass die hier durchgeführten Analysen nicht darauf abzielen, die Gefühle von Individuen oder Gruppen durch die Betrachtung von Sprache zu beschreiben. Es soll vielmehr aufgezeigt werden, mit welchen sprachlichen...

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