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Wissenschaft und globales Denken

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Franz Gmainer-Pranzl and Angela Schottenhammer

Ökonomische Dynamiken, politische Transformationen, internationale Vernetzung sowie die Kommunikation durch neue Medien sind Indikatoren einer «Globalisierung», die heute viele Bereiche des Lebens erfasst. Doch bedeutet eine solche Expansion und Internationalisierung wirtschaftlicher Prozesse, technischer Entwicklungen und politischer Ordnungen, dass «globales Denken» als (selbst)kritischer Diskurs zum Tragen kommt? In kritischem Kontrast zu Globalisierungsstrategien fragen die Beiträge dieses Bandes danach, inwiefern der Bezug auf globale Zusammenhänge die gewohnten Zugänge und Methoden der Wissenschaft herausfordert und verändert. Nicht «Globalisierung» als Erfolgsstrategie, sondern «globales Denken» als kritischer Anspruch steht im Zentrum der Überlegungen dieses Tagungsbandes.
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Theologie ohne Grenzen? Global verantwortliches Denken in einer Theologie der Migration

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Nähe Wien Westbahnhof, Großdemonstration unter der Forderung „Mensch sein in Österreich“, zehntausende Menschen folgen dem Aufruf einer Privatperson, auch viele NGOs schließen sich der Demonstration an. Stephansdom in Wien, ein Gedenkgottesdienst für 71 Todesopfer, die in einem Schlepper-LKW auf der Autobahn grausam erstickten. Fassungslosigkeit und Betroffenheit bei Politikern, Politikerinnen und der Bevölkerung. Ostbahnhof Budapest, hunderte Flüchtlinge campierten tagelang in der Nähe des Bahnhofs. Schließlich dürfen sie auch ohne Einreisedokumente in die Züge. Die Grenzen sind offen. Die Fahrkartenschalter werden gestürmt, ab der österreichischen Grenze Zusatzzüge eingeschoben. Das sind 10 Minuten Abendnachrichten im öffentlich-rechtlichen österreichischen Fernsehen am 31. August 2015. In den folgenden Wochen steigert sich die Berichterstattung und Dramatik der Situation noch weiter. Der Ausnahmezustand hält sich wochenlang, nimmt noch zu. Viele Länder machen ihre Grenzen dicht, Zäune, Kontrollen. Die europäische Union sucht gemeinsame Lösungen, von „Flüchtlingskrise“, „Flüchtlingskatastrophe“ ist die Rede. Optimistische Stimmen werden als naiv entlarvt, Pessimisten als nicht konstruktiv beschimpft – ein Migrationsdiskurs?

Dieser kurze mediale Eindruck aus dem August/September 2015 zeigt die Virulenz eines Themas, das in der sozial- und geisteswissenschaftlichen Forschung seit einigen Jahren an Interesse gewinnt. Als ein erschreckendes Gesicht von Migration ist Flucht vor Verfolgung, Krieg und Menschenrechtsverletzungen eine von vielen Arten und Ausprägungen von Migration. Wie die Beschreibung der Studienergänzung „Migration Studies“1, die im Jahr 2012 an der Universität Salzburg installiert wurde, formuliert, ist Migration vielgestaltig:

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