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Wissenschaft und globales Denken

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Edited By Franz Gmainer-Pranzl and Angela Schottenhammer

Ökonomische Dynamiken, politische Transformationen, internationale Vernetzung sowie die Kommunikation durch neue Medien sind Indikatoren einer «Globalisierung», die heute viele Bereiche des Lebens erfasst. Doch bedeutet eine solche Expansion und Internationalisierung wirtschaftlicher Prozesse, technischer Entwicklungen und politischer Ordnungen, dass «globales Denken» als (selbst)kritischer Diskurs zum Tragen kommt? In kritischem Kontrast zu Globalisierungsstrategien fragen die Beiträge dieses Bandes danach, inwiefern der Bezug auf globale Zusammenhänge die gewohnten Zugänge und Methoden der Wissenschaft herausfordert und verändert. Nicht «Globalisierung» als Erfolgsstrategie, sondern «globales Denken» als kritischer Anspruch steht im Zentrum der Überlegungen dieses Tagungsbandes.
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Babylon wächst. Wissensindustrien verhindern globales Denken

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Der Name der sumerischen Stadt Babylon dient in den christlich geprägten Gesellschaften als Metapher für materialistische Lebensstile. Die Bibel (Gen 11,1–9) erzählt von dem Versuch der Babylonier, einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reicht. Um diese Überheblichkeit zu strafen, zersplittert Gott jedoch ihre Sprache in viele unterschiedliche Sprachen und verhindert dadurch ihre Kooperation und die Vollendung des Turmes. Babylon steht für eine durch Fragmentierung misslungene Kommunikation sowie für ein auf materielles Wachstum reduziertes Verständnis von Lebensentfaltung und Transzendenz. Mit der Erzählung von der babylonischen Sprachverwirrung in einem Artikel über globales Denken will ich andeuten, dass die weltumspannende Mobilisierung von Wissensgütern kein globales Denken begünstigt, das an gemeinsamen Werten wie Frieden und Gerechtigkeit orientiert wäre. Meine Hypothese lautet, dass die in den Industriestaaten dominierenden Wissensformen eine marktorientierte Verwissenschaftlichung vorantreiben, die Konkurrenz statt Teilhabe fördert.

Wissenschaftlichem Wissen wird in Gutachten, Studien und Kommissionen eine besondere Wertigkeit zugebilligt.1 Öffentliche Debatten, die sich mit Innovation und Bildung befassen, halten die angeblich stets fortschreitende Zunahme von Wissen für grundsätzlich begrüßenswert. Völlig unbeachtet bleibt dabei die Tatsache, dass vor allem von kodiertem konzeptionellem Prozesswissen die Rede ist. Der folgende Artikel wird aber versuchen, die weit verbreitete Überschätzung dieser Wissensarten aufzuzeigen. Denn die Annahme, dass das Wissen wächst, beruht zumeist auf der Gleichsetzung von Wissen mit Informationen. Zudem wäre zu klären, wer das Subjekt des Wissens sein soll, welche Wissensformen...

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