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Literarische Bildung und Migration

Eine empirische Studie zu Lesesozialisationsprozessen bei Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund

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Matthias Jakubanis

In der Studie wird der literarische Sozialisationsprozess von Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund untersucht. Lehrende und Forschende, Studierende und Referendare/innen sowie Interessierte erhalten einen Einblick in ein komplexes Forschungsfeld rund um das Lesen und Literatur. Dabei werden die adoleszenten Herausforderungen der teilnehmenden Jugendlichen empirisch erforscht. Welcher Stellenwert wird dem Lesen und der Literatur beigemessen? Die Forschungsergebnisse verdeutlichen ein gewandeltes Verständnis literarischer Bildung und bieten Einblick in neue Funktionalisierungen des Lesens, die sich angesichts der zunehmenden Heterogenität in deutschen Schulklassen sowohl auf die Lehramtsausbildung, den Deutschunterricht als auch die Literaturdidaktik auswirken.
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1. Einleitung

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1.  Einleitung

1.1  Forschungsthema und literaturdidaktisches Forschungsfeld

Spätestens mit den Ergebnissen der ersten PISA-Studie sowie deren Diskussion (vgl. Baumert 2001; Kap. 2.1) ist die bildungspolitische „Verortung“ von Migranten/innen im deutschen Bildungssystem zum Gegenstand einer breiten öffentlichen Debatte über Chancenverteilung, Bildungsaufstieg und gesellschaftliche Integration von Minderheiten geworden. An die von der OECD durchgeführte internationale Vergleichsstudie knüpfen durchaus heterogene Forschungsvorhaben an, die sich verstärkt dem Aspekt der Migration zuwenden. Diese reichen von der theoretischen Modellierung gesellschaftlicher Integration durch Beherrschung von kulturellen Fertigkeiten sowie der Sprache der Ankunftsgesellschaft (vgl. Esser 2004) bis hin zur Rolle von Massenmedien bei der Darstellung von Ethnizität (vgl. Bonfadelli 2007, Geißler/Pöttker 2009). Gerade letzterer Ansatz verweist zwar zunehmend auf den Zusammenhang von Mediennutzung und sozialer Integration (vgl. Piga 2007: 209), lässt jedoch eine entscheidende Leerstelle erkennen: die Betrachtung literarischer Bildung im Kontext der Mediensozialisation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund1. Der aktuelle Forschungsstand auf dem Gebiet der Mediennutzung verdeutlicht, dass primär mittels quantitativer Forschungsdesigns vornehmlich die Rezeption von Fernsehsendungen, Radioprogrammen und Zeitungspublikationen bei Menschen mit einem türkischen Migrationshintergrund beziehungsweise deren Darstellungsformen in Hinblick auf Migration ← 9 | 10 → untersucht werden; das Medium Buch bleibt weitestgehend unberücksichtigt (vgl. Güntürk 2000, Weiß/Trebbe 2001, qualitativ: Hafez 2002).

Dies erscheint umso defizitärer, da die Bedeutungszuschreibungen an Literatur, deren Stellenwert, Gratifikationen und ästhetischer Wert hinsichtlich des Prozesses gesellschaftlicher Teilhabe und Integration eine entscheidende Scharnierfunktion einnehmen:

[…] die Gruppe von Menschen, die in Zukunft ‚genau...

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