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Literarische Bildung und Migration

Eine empirische Studie zu Lesesozialisationsprozessen bei Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund

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Matthias Jakubanis

In der Studie wird der literarische Sozialisationsprozess von Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund untersucht. Lehrende und Forschende, Studierende und Referendare/innen sowie Interessierte erhalten einen Einblick in ein komplexes Forschungsfeld rund um das Lesen und Literatur. Dabei werden die adoleszenten Herausforderungen der teilnehmenden Jugendlichen empirisch erforscht. Welcher Stellenwert wird dem Lesen und der Literatur beigemessen? Die Forschungsergebnisse verdeutlichen ein gewandeltes Verständnis literarischer Bildung und bieten Einblick in neue Funktionalisierungen des Lesens, die sich angesichts der zunehmenden Heterogenität in deutschen Schulklassen sowohl auf die Lehramtsausbildung, den Deutschunterricht als auch die Literaturdidaktik auswirken.
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5. Kultursoziologische Ansätze

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5.  Kultursoziologische Ansätze

5.1  Lesen als kulturelles Kapital

Betrachtet man wie oben ausgeführt den Stellenwert literarischer Bildung in speziellen Teilsegmenten der Gesellschaft, so erscheint die Rezeption der kultursoziologischen Ansätze Bourdieus als zielführend. Dies betrifft weniger die konkreten empirischen Forschungsergebnisse auf Grund ihrer Gebundenheit an das Frankreich der 1960/70er Jahre22, sondern vielmehr hinsichtlich der verwandten Begriffe und Konzepte: Habitus, Distinktion sowie Geschmack; ökonomisches, kulturelles, soziales, symbolisches Kapital und deren Konversionsprozesse.

Gerade die Untersuchung von Migrationserfahrungen lässt die Fragestellung nach gesellschaftlichen Integrationsaspekten offenkundig werden und wird bereits dadurch besonders betont, dass dem Lesen und weiterem Medienkonsum im Kontext von Migration ein enormes öffentliches Interesse zukommt.23 Ferner weist die begriffliche Verwendung des Terminus „habitueller Leser“ oder „habitualisiertes Lesen“ (vgl. Bertschi-Kaufmann/Rosebrock 2009: 210; Bonfadelli 2004: 68; Dawidowski 2009b: 144; Vogel 2011: 104) auf die nunmehr selbstverständliche Berücksichtigung der soziologischen Termini Bourdieus hin. Habitus soll hierbei als eine (durchaus auch körperliche) „[…] Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsweise in einem bestimmten sozialen Umfeld“ (Fröhlich/Rehbein 2009: 112f.) definiert werden, die durch die jeweilige soziale Herkunft und die damit zusammenhängende Sozialisation entscheidend beeinflusst wird und sich als ein System von Dispositionen auf die Regelmäßigkeit und Angemessenheit des subjektiven Handelns auswirkt. Der Begriff ist vornehmlich mit der ethnologischen Forschungsarbeit Bourdieus verbunden (Bourdieu 2009) und richtet sich damit implizit gegen Rational-Choice-Ansätze (RC) innerhalb der Sozialwissenschaften. Das Konzept des Habitus ist somit zentral bei der sozialen Positionierung, indem es die Voraussetzung für die Klassifikation...

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