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Wie flektieren Schulkinder die Vergangenheitsformen starker Verben?

Untersuchungen zu Dritt-, Fünft- und Siebtklässlern

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Sonja Wonner

Das Buch ist besonders von Interesse für Linguisten, Psycholinguisten, Sprachdidaktiker und Lehrer. Die umfangreiche Studie mit 146 Schulkindern untersucht, wie sich die Präterital- und Partizipformen starker Verben von der 3. über die 5. zur 7. Jahrgangsstufe entwickeln. Daten sind Bildergeschichten und Lückentexte, zwei in der Schulpraxis häufig verwendete Textsorten. Beide beeinflussen die Fehlerhäufigkeit in der Präteritalbildung. Detaillierte Fehleranalysen zeigen, wie sich die Strategien der Schulkinder verändern. Formen wie * schwimmte, * schwammte oder * schwumm sind Ausprägungen verschiedener Entwicklungsphasen, die anhand eines Modells erläutert werden.
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2. Funktion und Verwendung von Präteritum und Perfekt

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Die beiden Tempora Präteritum und Perfekt sind die im Deutschen am meisten verwendeten Zeitformen, um ein Geschehen in der Vergangenheit auszudrücken. In diesem Kapitel werden die Tempora hinsichtlich ihrer Funktion und Verwendung genauer analysiert. Eine kurze Darstellung sprachgeschichtlicher Entwicklungen soll aufzeigen, wie sich die Verwendung der beiden Tempora im Laufe der Zeit ändert. Dabei ist der oberdeutsche Präteritumschwund (2.1) von Bedeutung. Er führt dazu, dass das Perfekt als Vergangenheitstempus im mündlichen Gebrauch dominiert. Bei der anschließenden Erläuterung der Zeitreferenz und Funktion von Präteritum und Perfekt (2.2) spielt die Tempussemantik von Reichenbach (1947) eine Rolle. Die Tatsache, dass Präteritum und Perfekt in manchen Kontexten bedeutungsgleich sind, jedoch eine Gebrauchsverschiedenheit vorliegt, wird in diesem Rahmen erläutert. Aus den Ausführungen wird deutlich, dass aufgrund ihres verschiedenen Gebrauchs die Tempora unterschiedliche Anforderungen an die Schulkinder stellen. Daher werden in der empirischen Untersuchung Präteritalformen und Partizipien überprüft, um sie bezüglich der Fehlerhäufigkeit miteinander vergleichen zu können.

2.1 Oberdeutscher Präteritumschwund

Im Althochdeutschen und im Mittelhochdeutschen existieren beide Zeitformen, Präteritum und Perfekt. Sprachhistorisch ist der Vorgang des Präteritumschwundes in die Zeitspanne vom 15. bis zum 17. Jahrhundert einzuordnen. Er umfasst geographisch gesehen den gesamten oberdeutschen Sprachraum, den Süden des Rheinfränkischen sowie das Ostfränkische mit Ausnahme der nördlichsten Teile. Dabei lässt sich für das Phänomen keine klare Grenze ziehen, es handelt sich um eine Staffelung von...

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