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Der andere Islam

Kultur, Identität und Demokratie Aus dem Französischen übersetzt und eingeleitet von Hans Jörg Sandkühler

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Fethi Meskini

Das Buch, einem modernen Islam verpflichtet, ist von aktueller Brisanz: Gegen die voreilige Identifizierung von Islam, Islamismus und Terrorismus ist Aufklärung über die islamisch-arabischen religiösen und politischen Kulturen notwendig. Der Autor fragt nach der Universalisierbarkeit bzw. Universalität von Normen und Werten, nach der Autonomie eines von Unterdrückung befreiten muslimischen «Selbst» und nach einer post-islamischen Identität. Er fordert Freiheit im Glauben und eine im Rahmen einer Ethik der Sorge, guten Nachbarschaft und Hospitalität artikulierte Toleranz. Sein Ziel ist eine von allgemeinem Gerechtigkeitswillen bestimmte Demokratie, in der Konflikte zwischen Gläubigen und Laizisten durch die Befähigung zum Sich-Übersetzen in der Perspektive des Anderen gelöst werden können.
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Islam: Religion, Demokratie und Revolution

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. Einführende Bemerkungen von Hans Jörg Sandkühler

Seit Beginn des Jahres 2011 hat das, was im Westen der ›Arabische Frühling‹ genannt worden ist, die Aufmerksamkeit auf die Länder Nordafrikas auf sich gezogen. In Tunesien sprach man von der Revolution des 14. Januar, der Flucht des Diktators Ben Ali und seines Familienclans, der das Land als sein privates Eigentum missbraucht und die gesamte Ökonomie – von der nationalen Fluggesellschaft über die Industrie bis zu den Banken – unter sich aufgeteilt hatte. Revolution des 14. Januar – in dieser Wortwahl spiegelte sich eine geradezu illusionäre Hoffnung auf schnellen Wandel, nicht aber, dass Revolutionen historische Prozesse sind, die an einem Tag weder beginnen noch enden. Inzwischen wurde – vor allem in Ägypten – schmerzlich bewusst, dass sich die Probleme, die die Revolution ausgelöst haben, nicht kurzfristig in Luft auflösen konnten: weder die Macht des die Menschenrechte verletzenden Polizeistaats noch die politischen Institutionen und Kader des alten Regimes, weder soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit noch die Arbeitslosigkeit vor allem der Jugend.

Die öffentliche Meinung im Westen hat die revolutionären Prozesse in Nordafrika als Kampf um die Achtung und den Schutz der Menschenwürde und politischer und sozialer Menschenrechte begrüßt. Doch schon bald zeigt sie sich aufgrund der ersten Wahlen in Tunesien und der politischen Prozesse in Ägypten desillusioniert. Warum, so wird hilflos gefragt, siegen islamistische Parteien? Warum übernimmt in Ägypten das Militär wieder die Macht? Diese Fragen lassen erkennen, welcher Mangel an Wissen, welches Ausmaß an...

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