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Der andere Islam

Kultur, Identität und Demokratie Aus dem Französischen übersetzt und eingeleitet von Hans Jörg Sandkühler

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Fethi Meskini

Das Buch, einem modernen Islam verpflichtet, ist von aktueller Brisanz: Gegen die voreilige Identifizierung von Islam, Islamismus und Terrorismus ist Aufklärung über die islamisch-arabischen religiösen und politischen Kulturen notwendig. Der Autor fragt nach der Universalisierbarkeit bzw. Universalität von Normen und Werten, nach der Autonomie eines von Unterdrückung befreiten muslimischen «Selbst» und nach einer post-islamischen Identität. Er fordert Freiheit im Glauben und eine im Rahmen einer Ethik der Sorge, guten Nachbarschaft und Hospitalität artikulierte Toleranz. Sein Ziel ist eine von allgemeinem Gerechtigkeitswillen bestimmte Demokratie, in der Konflikte zwischen Gläubigen und Laizisten durch die Befähigung zum Sich-Übersetzen in der Perspektive des Anderen gelöst werden können.
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Ist die Menschheit universell? oder Universal und universell: Was ist oder wer ist der Mensch?

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1

Während eines der Interviews von Cerisy am 4. September 1955 richtete Paul Ricœur folgende Frage an Heidegger, der eben seinen berühmten Vortrag ›Was ist das, die Philosophie?‹ gehalten hatte, über den J. Beaufret unter dem Titel ›Der Einwand des ›hebräischen Erbes‹ berichtet2: »Hierbei handelt es sich […] weder um das Seiende, noch um das Sein und auch nicht um das ›was ist‹, welches die griechische Fragestellung schlechthin darstellt. Aber es gibt einen Appell, sei es der der Irrfahrt Moses oder der der Trennung von Abraham. Kann man einen solchen Appell, der nicht griechisch ist, aus der Philosophie ausschließen? Ist die Übersetzung der Bibel ins Griechische, die Septuaginta, nicht ein unergründliches Ereignis an der Basis unserer Kultur?«3

Die Antwort Heideggers war, gelinde gesagt, enttäuschend. Er begnügte sich damit, auf seine Diagnose der Metaphysik als ›Ontotheologie‹ zu verweisen und fügte etwas pikiert hinzu: »Muss man wirklich diesbezüglich die Philosophen, wie Sie es vorschlagen, und die Propheten in einen Zusammenhang stellen? Ich bin überzeugt, dass – betrachtet man die Dinge aus der Nähe – die Aristotelische Fragestellung im griechischen Denken verwurzelt ist und in keinerlei Verbindung mit der biblischen Dogmatik steht.«4

1980 gab Ricœur seine eigene Erklärung, warum Heidegger stets auf diese Art und Weise der Konfrontation mit der Gesamtheit des hebräischen Denkens ausgewichen war: »Diese Verkennung scheint mir in einer Linie ← 27 | 28 → mit der Unfähigkeit Heideggers zu stehen, den ›Schritt...

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