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Der andere Islam

Kultur, Identität und Demokratie Aus dem Französischen übersetzt und eingeleitet von Hans Jörg Sandkühler

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Fethi Meskini

Das Buch, einem modernen Islam verpflichtet, ist von aktueller Brisanz: Gegen die voreilige Identifizierung von Islam, Islamismus und Terrorismus ist Aufklärung über die islamisch-arabischen religiösen und politischen Kulturen notwendig. Der Autor fragt nach der Universalisierbarkeit bzw. Universalität von Normen und Werten, nach der Autonomie eines von Unterdrückung befreiten muslimischen «Selbst» und nach einer post-islamischen Identität. Er fordert Freiheit im Glauben und eine im Rahmen einer Ethik der Sorge, guten Nachbarschaft und Hospitalität artikulierte Toleranz. Sein Ziel ist eine von allgemeinem Gerechtigkeitswillen bestimmte Demokratie, in der Konflikte zwischen Gläubigen und Laizisten durch die Befähigung zum Sich-Übersetzen in der Perspektive des Anderen gelöst werden können.
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Toleranz und die Existenz als Dhimmi oder Gute Nachbarschaft jenseits der Normen

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»Es gibt keinen Zwang im Glauben.«Der Koran, Sure II, 256

»Sie beachten gegenüber einem Gläubigen weder Verwandtschaftsbande noch (Schutz)vertrag. Das sind die Übertreter.«Der Koran, Sure IX, 10

»Wer jemanden, der unter dem Schutz des Paktes steht, tötet, wird den Duft des Paradieses nicht riechen, obwohl er aus der Distanz einer vierzigjährigen Reise wahrgenommen werden kann.«Hadith des Propheten

»Warum sich so unterscheiden von den anderen Bürgern?«Voltaire, Traité sur la Toleranz

Die einzige Sure, in der der Koran das Wort ›dhimma‹ (›Pakt‹2) verwendet, ist unbestreitbar ›At-Tawba‹3; das Wort wurde auf vielfache Weise übersetzt mit ›Amnestie‹, ›Reue‹, ›Anzeige‹, ›Buße‹, ›Rückkehr‹ …, aber auch ›Bara’a‹ genannt: ›Unschuld‹, ›Immunität‹, ›Lossprechung‹ etc., und zwar verwendet mit einem für den heiligen Text ungewöhnlichen Merkmal, d. h. ← 93 | 94 → ohne mit der Eingangssegnung »Im Namen Allahs, des Allerbarmenden und Barmherzigen« zu beginnen. Dies ist ein bezeichnender Mangel.

Das Wort ›dhimma‹4 stammt paradoxerweise vom Verb ›dhamma‹ ab, das so etwas wie ›verunglimpfen‹, ›diffamieren‹, ›herabsetzen‹ etc. bedeutet. Dies erhärtet Hegels spekulative Bemerkung über Wörter, die etwas und zugleich sein Gegenteil bezeichnen: ›dhimma‹ bezeichnet ursprünglich alle Arten von ›haram‹ (alles, was verboten ist, heilig, wovon abzusehen ist, was geschützt ist), etwas, was man nicht entweihen könnte, ohne sich einer Sühne auszusetzen, oder das Begehen einer Ungerechtigkeit gegenüber einem Unschuldigen. Um im Islam von ›Toleranz‹ sprechen...

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