Show Less
Restricted access

Eine «unbekannte» Sprache lesen «oder» Von der Entdeckung des Nissart durch Interkomprehension

Series:

Stefanie Wagner

Nissart – was ist das? Während Nizza bekannt ist, löst der Name des dort heimischen romanischen Idioms Erstaunen aus. Als Varietät des Okzitanischen hat es zwar ein reiches sprachliches Erbe, doch ist seine Existenz heute bedroht. Stefanie Wagner geht der Frage nach, wie sich ein Lerner dank seiner Kenntnisse in (mindestens) einer romanischen Sprache (L1 oder L2) dieses ihm unbekannte Idiom mit Hilfe interkomprehensiver Lern- und Lesestrategien erschließen kann. Hierbei beleuchtet sie sprachgeschichtliche Zusammenhänge innerhalb der Romania sowie den lerntheoretischen Hintergrund und präsentiert eine Studie zum Leseverständnis des Nissart mit internationalen Probanden. Entdecken Sie ein Stück Romania, das auch von Interkomprehensionsprogrammen bislang unberücksichtigt blieb.
Show Summary Details
Restricted access

3 Lerntheoretischer Hintergrund

Extract

3Lerntheoretischer Hintergrund

Multilingual comprehension in language families is based on finding similarities between languages and on constructing links between well-known elements and new ones. It aims at building up comparative and transfer skills in the learners which give them greater autonomy in the learning process. (Grosser 2002: 21)

Um die für die Interkomprehension wichtigen kognitiven Prozesse zu erklären, sind die kognitivistisch-konstruktivistische Lerntheorie und die Interlanguage-Hypothese, die Annahme mentaler Netzwerke, pro- und retroaktive Transferprozesse sowie die Lernsteuerung von entscheidender Bedeutung. Bei der Darlegung des lerntheoretischen Hintergrundes werden wir daher im Folgenden insbesondere auf diese Elemente eingehen.

3.1Kognitives Lernen und Interlanguage Hypothese

Interkomprehensives Lernen ist v.a. transferbasiertes Lernen und entspricht gedächtnispsychologisch somit dem Typus des kognitiven Lernens (vgl. Stoye 2000: 81). Spracherwerb wird hierbei als „dynamische, […] selbstorganisierte mentale Aktivität der Lernenden aufgefasst, die von außen weder gezielt steuerbar noch beobachtbar, durchaus aber anregbar ist“ (Decke-Cornill/ Küster 2010: 34). Grundannahme ist hierbei die Existenz einer systematischen Lernersprache, die sich bei den Lernern in mentalen Prozessen stetig aus- und umbildet.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.