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Das Unantastbare beschreiben

Gerüche und ihre Versprachlichung im Deutschen und Polnischen

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Przemysław Staniewski

Das Buch erörtert die Verbalisierungsschwierigkeiten von olfaktorischen Wahrnehmungen. Hierfür betrachtet der Autor zunächst die Olfaktorik aus kulturell-philosophischer, neurophysiologischer und anthropolinguistischer Perspektive. Des Weiteren legt er dar, wie man über Gerüche im Deutschen und Polnischen spricht. Er geht auf zweierlei Art und Weise vor. Zunächst erfolgen anhand von Wörterbüchern Analyse und Vergleich des deutschen und polnischen Geruchswortschatzes auf der synchronen und diachronen Ebene. Anschließend zeigt der Autor mithilfe von sprachlichen Korpora und unter Anwendung der kognitiv-linguistischen Methodologie (Frame-Semantik, konzeptuelle Metapher) auf, wie heute Gerüche im Deutschen und Polnischen verbalisiert und konzeptualisiert werden.
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5. Analyse des polnischen und deutschen Geruchswortschatzes am lexikographischen Material

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Die vorangegangenen Kapitel behandelten Bereiche, die für eine sprachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der olfaktorischen Modalität von entscheidender Bedeutung sind. Erörtert wurden die kulturell-philosophische Betrachtung des Geruchssinnes im Laufe der Jahrhunderte, die Neuroanatomie des Riechens sowie die Sprache-Geruch-Relationen auf der neuroanatomischen und kulturellen Ebene. Die Reflexion über diese drei Felder im Einzelnen und über ihre wechselseitigen Verhältnisse hat zu einer unbestrittenen, jedoch in der vorhandenen (spärlichen) Literatur zur Problematik nur bruchstückhaft vertretenen, Schlussfolgerungen geführt: Es darf nicht pauschalisiert werden, dass der Mensch Schwierigkeiten hat, Geruchssinneseindrücke zu versprachlichen. Diese Schwierigkeiten betreffen grundsätzlich indoeuropäische Sprachen, in denen es an einem konventionellen und objektiven olfaktorischen Lexikon mangelt, also an den basic odor terms (im Vergleich zur Farbendomäne) – diese Tatsache ist aber nicht so offensichtlich (vgl. dazu Kap. 5.3.1). Deswegen kann die Behauptung, die Beschaffenheit des menschlichen Zentralnervensystems sei für die olfaktorischen Verbalisierungsprobleme verantwortlich, nicht länger aufrechterhalten werden. Somit muss der Interessensschwerpunkt auf die Reflexion der kulturellen Aspekte der Olfaktorik verschoben werden, die in der westlichen Gesellschaft, mit wenigen Ausnahmen, unterrepräsentiert waren. Um dies nochmals explizit zum Ausdruck zu bringen: Man hat in den indoeuropäischen Sprachen Probleme mit der Verbalisierung der Gerüche, weil dem Geruchssinn seit jeher fast keine Beachtung geschenkt wurde. Es geht einerseits um die mangelnde wissenschaftliche (und theoretische) Reflexion über die Rolle, Funktion und den Rang des Geruchssinnes und der Gerüche im erkenntnisorientierten Diskurs der westlichen Gesellschaft. Andererseits wird im westlichen Kulturraum der Geruchssinn...

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