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HimmelsKartenWissen

Frühneuzeitliche Kartierungen des Himmels im Kontext einer theatralen Wissenskultur

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Juliane Howitz

Auf innovative Weise untersucht die Autorin die Kartographie als spezifische historische Inszenierungspraxis vor dem Hintergrund der Welt als Bühne im 16. und 17. Jahrhundert. Wen oder was inszenieren frühneuzeitliche Himmelskarten? Wie präsentieren sie den neuen astronomischen Himmel? Himmelskartographischen Werken der Frühen Neuzeit fällt als Theatri eine besondere Rolle bei der Sammlung und Darstellung von Wissen zu. Im Zusammentreffen von Wissenschaftsgeschichte, Kartographiegeschichte und Theaterwissenschaften offenbart sich ein Paradox im Goldenen Zeitalter der Himmelskartographie: Wachsende astronomische Wissensbestände führen zu sinkender kartographischer Darstellbarkeit. So liegt der besondere Reiz der Karten in der theatralen Vermittlungsleistung zwischen diesen Polen.
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3.2.3 Giovanni Paolo Galluccis Theatrum mundi, et temporis

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Das Metaphorische der Enzyklopädie

Andererseits sind die Wirkungsmechanismen frühneuzeitlicher enzyklopädischer Werke, welche den Titel des Theatrums tragen, gleichermaßen metaphorisch. Die dieser Behauptung zugrunde liegende Annahme einer essentiellen Bedeutung des Metaphorischen auch in der Betrachtung konkreter Praktiken resultiert aus der Überzeugung, dass gerade epistemologische Entwicklungen in medialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Umbruchzeiten nur aus dem Zusammenspiel des Konkreten und des Nicht-Konkreten zu erklären und deuten sind. Im Zusammenhang mit dem Verweis auf die Rolle mittelalterliche Schornsteinkonstruktionen und deren Wirkung auf das gesellschaftliche Leben eines Ortes bringt Michel Foucault ein ganz ähnliches Argument. Er kritisiert, dass die Betrachtung physischer Anordnungen von und im Raum nicht genügt, um alle mit einem konkreten Raumgefüge verbundenen Diskurselemente zu erfassen.843 Materielle Veränderungen allein können nicht kulturell-soziale Veränderungen erklären. Im konkreten Beispiel geht Foucault davon aus, dass die Verlagerung von Schornsteinen ins Gebäudeinnere nicht der alleinige Grund dafür sei, dass sich komplexe soziale Strukturen im Umfeld dieser Schornsteine gebildet haben. Vielmehr ist Ideengeschichte zwar unsichtbar, muss aber im Zusammenhang und Zusammenspiele mit Technikgeschichte verstanden werden: „What is interesting is always interconnection, not the primacy of this over that, which never has any meaning.“844 Foucault argumentiert, dass abstrakte Ideen, Werte und Einstellungen mit konkreten Praktiken und materiellen Formen in einem komplexen Beziehungsgefüge stehen, deren Gesamtbetrachtung allein sozio-kulturellen – und ich behaupte, in Konsequenz da ← 267 | 268 → von auch epistemologisch-wissenschaftshistorischen – Wandel fassen, deuten und möglicherweise erklären kann. Auf das konkrete Medium...

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