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Literatur im sozialen Prozess des langen 19. Jahrhunderts

Zur Ideengeschichte und zur Sozialgeschichte der Literatur

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Udo Köster

Schriftsteller beanspruchen im Prozess der Modernisierung eine wichtige Rolle als Verfasser von Dorfromanen, als nationale Propagandisten in den Befreiungskriegen, als Mitspieler in der Literatur der französischen Moderne (Heinrich Heine), als Träger des deutschen Nationalbewusstseins und als Begründer einer nationalen Staatlichkeit nach 1870. Der Band versammelt Arbeiten zur Sozialgeschichte der Literatur, unter anderem über Strategien der Bauernaufklärung, über kulturelle Stereotypen in den deutsch-französischen Kulturbeziehungen, über Gender-Mythen und Mystifikationen im Vormärz, über den «französischen» Heine sowie über David Friedrich Strauß und die Rezeption der Religionsphilosophie Hegels; ferner geht es um Geschichtsbilder und die Mentalität der Gebildeten im Kaiserreich sowie um theoretische Fragen der Modernisierung und der literarischen Moderne um 1900.
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13. Ideale Geschichtsdeutung und literarische Opposition um

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Die jungen Autoren, die nach 1880 zu publizieren begannen, hatten wesentliche Sozialisationserfahrungen bereits im Kontext der Bildungsinstitutionen und der gebildeten Ideologien des neuen Deutschen Reiches gemacht. Die heroische Legende der Reichsgründung, in der sich die kulturelle und die machtpolitische Deutung der deutschen Geschichte zu einer prekären Synthese vereinigten, stellte für sie den historischen Fluchtpunkt ihrer Geschichtsbilder dar. Schon die unmittelbar voraufgegangene Konfliktzeit der liberalen Bewegung, in der sich kultureller Liberalismus und konservative Machtpolitik zum Teil schroff gegenüberstanden, wurde von dieser Generation als entfernte, mehr oder weniger dunkle Vorgeschichte nur noch sehr vage wahrgenommen. Aus dem Kreis der nach 1855 und vor 1870 geborenen Autoren rekrutierten sich in den 1880er Jahren die literarischen Gruppen, in denen die Diskussion um eine programmatisch moderne Kunst und ihre politische und soziale Stellung im wesentlichen geführt wurde. Ihre wichtigsten Autoren - Konrad Alberti (* 1862), Karl Bleibtreu (* 1859), Wilhelm Bölsche (* 1861), Hermann Conradi (* 1862), Heinrich (* 1855) und Julius (* 1859) Hart, Bruno Wille (* 1860) und der wesentlich ältere Michael Georg Conrad (* 1846), sowie einige andere Mitarbeiter aus dem Umkreis der Zeitschriften Die Gesellschaft und Freie Bühne - gelten in der Regel als die ersten Vertreter eines programmatischen Naturalismus in der deutschen Literatur. Die von ihnen getragene oppositionelle Literaturbewegung wird, dem Programm des internationalen Naturalismus entsprechend, als eine realistische, szientistische, politisch linke und radikale Bewegung angesehen, die sich in Deutschland besonders gegen den konservativen (bzw. nationalliberalen), nationalistischen, moderat bürgerlichen Idealismus der Gründergeneration richtete.

In der Tat findet...

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