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Das Massaker erinnern

Katyń als lieu de mémoire der polnischen Erinnerungskultur

Cordula Kalmbach

Im Fokus dieser Studie stehen zwei Schritte: Erstens soll das Ereignis Katyń in der polnischen Erinnerungskultur verortet und sein Stellenwert für die polnische Gesellschaft erfasst werden, zweitens soll dargestellt werden, welche Auswirkungen diese Aufarbeitung auf die polnisch-russischen Beziehungen seit 1989 hat. Klar ist, dass sich die Republik Polen seit ihrer Wiederentstehung 1989 auf der Suche nach einer neuen Identität befindet und sich im Archiv der Geschichte bedient, um ein neues Gedächtnis konstruieren zu können. Da Erinnerungskultur ein soziales, aktives Phänomen ist, stützt sich diese Arbeit auf mannigfaltige Quellen, seien es Filme, Bücher, Denkmäler oder Zeitungsartikel.
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III) Was ist Erinnerungskultur und wozu dient sie uns?

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Ziel dieses Kapitels ist es, wesentliche Definitionen der Erinnerungskultur und ihrer Bedeutung für die Konstruktion von Identität vorzustellen. Hierfür wird besonders auf das Konzept des kulturellen und kommunikativen Gedächtnisses von Aleida und Jan Assmann und die Bedeutung, welche die Vergangenheit und die Erinnerung an sie für gesellschaftliche Gruppen hat, eingegangen.

„Unter dem Begriff des kulturellen Gedächtnisses fassen wir den jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümlichen Bestand an Wiedergebrauchs-Texten, -Bildern und -Riten zusammen, in deren ‚Pflege‘ sie ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt, und kollektiv geteiltes Wissen vorzugsweise (aber nicht ausschließlich) über die Vergangenheit, auf das eine Gruppe ihr Bewusstsein von Einheit und Eigenart stützt.“42

Aus dieser Zusammenfassung Jan Assmanns zu dem von ihm und Aleida Assmann herausgearbeiteten Begriff ‚Kulturelles Gedächtnis‘ erkennen wir schon drei Konstanten, die für den Menschen wichtig sind: Er will einen Ursprung haben, eine gemeinsame Vergangenheit, die ihn prägt und ihm den Weg in der Gegenwart und Zukunft weist, er ist auf Traditionen angewiesen, die seinen Alltag gestalten und baut auf die gemeinsam konstruierte Vergangenheit, um sich gegenüber anderen Gruppen und Gesellschaften abzugrenzen in dem Wunsch, mit seinen Gruppenmitgliedern einzigartig und anders zu sein, und daraus zu schließen, zu welcher Gruppe er gehört und wo sein Platz auf dieser Welt ist.

Von alters her kennen Menschen Gruppenzugehörigkeit und den Wunsch, sich durch eine gemeinsame Identität von anderen abzugrenzen und definieren zu können. Gemeinsam...

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