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Das Massaker erinnern

Katyń als lieu de mémoire der polnischen Erinnerungskultur

Cordula Kalmbach

Im Fokus dieser Studie stehen zwei Schritte: Erstens soll das Ereignis Katyń in der polnischen Erinnerungskultur verortet und sein Stellenwert für die polnische Gesellschaft erfasst werden, zweitens soll dargestellt werden, welche Auswirkungen diese Aufarbeitung auf die polnisch-russischen Beziehungen seit 1989 hat. Klar ist, dass sich die Republik Polen seit ihrer Wiederentstehung 1989 auf der Suche nach einer neuen Identität befindet und sich im Archiv der Geschichte bedient, um ein neues Gedächtnis konstruieren zu können. Da Erinnerungskultur ein soziales, aktives Phänomen ist, stützt sich diese Arbeit auf mannigfaltige Quellen, seien es Filme, Bücher, Denkmäler oder Zeitungsartikel.
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VIII) Ein besonderes Denkmal: Andrzej Wajdas Film „Katyń“ als cinematografisches Denkmal

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Ein Kunstwerk, das in der gesamten Rezeption der Katyń-Erinnerungskultur besonders herausragt, ist der Spilefilm „Katyń“, den Andrzej Wajda 2007 in die polnischen Kinos brachte. Dieser Film nimmt in vielen Aspekten eine herausragende Stellung für die Erinnerung an Katyń und die Rezeption derselben ein. Kaum ein Künstler hat sich so lange mit dem Thema des Katyń-Massakers auseinandergesetzt und war diesem Thema so verbunden wie Andrzej Wajda. Dieser Film ist ein persönliches Dokument seines eigenen Schicksals als Angehöriger der Katyń-Hinterbliebenen. Sein Vater gehörte zu den in Charków ermordeten Offizieren329, weshalb er diesen Film seinen Eltern widmet, was der Zuschauer gleich zu Beginn im Vorspann seines Filmes erfährt. Andrzej Wajda hat nicht nur über Jahre an diesem Film gearbeitet und mehrere Drehbuchautoren verschlissen, er war auch als Mitglied des Warschauer Verbandes der Katyń-Familien aktiv und mischt sich bis heute immer wieder in die Diskussion für eine versöhnliche Auseinandersetzung mit Russland und insbesondere mit der russischen Bevölkerung ein. So betont er auch immer die stalinistische, erzwungene Täterschaft und hält die russische Bevölkerung aus der Schuldfrage heraus330. So ist er wie kein anderer polnischer Filmregisseur prädestiniert, sich auch diesem Kapitel der polnischen Geschichte zu widmen, da er sich mehrfach mit der Darstellung der polnischen Geschichte im Film auseinandergesetzt hat. Mit Filmen wie „Der Kanal“, „Asche und Diamant“, „Der Mann aus ← 119 | 120 → Marmor“, „Die Hochzeit“331, hat er sich immer wieder mit verschiedenen Epochen der polnischen Geschichte...

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