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Das Massaker erinnern

Katyń als lieu de mémoire der polnischen Erinnerungskultur

Cordula Kalmbach

Im Fokus dieser Studie stehen zwei Schritte: Erstens soll das Ereignis Katyń in der polnischen Erinnerungskultur verortet und sein Stellenwert für die polnische Gesellschaft erfasst werden, zweitens soll dargestellt werden, welche Auswirkungen diese Aufarbeitung auf die polnisch-russischen Beziehungen seit 1989 hat. Klar ist, dass sich die Republik Polen seit ihrer Wiederentstehung 1989 auf der Suche nach einer neuen Identität befindet und sich im Archiv der Geschichte bedient, um ein neues Gedächtnis konstruieren zu können. Da Erinnerungskultur ein soziales, aktives Phänomen ist, stützt sich diese Arbeit auf mannigfaltige Quellen, seien es Filme, Bücher, Denkmäler oder Zeitungsartikel.
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IX) Katyń in der Literatur

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Auf vielen unterschiedlichen faktualen und fiktionalen Ebenen des Erzählens, sei es im Exil oder im Land selber, ist Katyń ein Teil in der polnischen Literatur geworden. Verschiedene literarische Gattungen, unterschiedliche Intentionen und wechselnde Grade zwischen Faktualität und Fiktionalität machen diese Literatur aus. Die meisten Texte, die sich explizit mit Katyń befassen, enthalten alleine schon durch ihre Gattung einen hohen Teil an faktualer Erzählung. Hier seien vor allem autobiografische Texte von Zeitzeugen, die zu Beginn dieses Kapitels vorgestellt werden sollen, oder die Memoiren und Kurztexte von Angehörigen, die auch einen hohen Anteil faktualen Erzählens besitzen, genannt. Als literarische Ausformungen enthalten alle Texte eine gewisse Form der Fiktionalität, die einen Freiraum bietet, das Massaker aus der Distanz zu erinnern. Die fiktionale Ebene schafft eine Sicherheit für die Erzähler. Das Grauen kann durch seine Literarisierung graduell erfasst werden. Aus der Gruppe der literarischen Katyń-Texte ragen die lyrischen, hochgradig abstrakten und fiktionalen Auseinandersetzungen mit Katyń, teils durch Angehörige, teils durch Schriftsteller verfasst, eindeutig hervor. Zwei Beispiele hierzu sollen in diesem Kapitel vorgestellt werden. Zum Schluss soll noch eine andere besondere Textgruppe vorgestellt werden. Hierbei handelt es sich um kurze autobiografische und biografische Erzählungen von Angehörigen, die im Rahmen von Schreibwettbewerben entstanden und eingereicht worden sind. Sie enthalten eine ganz besondere Intention des Erzählens.

Allen Texten ist jedoch eine Aufgabe gemein: zu erinnern, der Opfer zu gedenken und die Lücke, welche die Ermordung von Angehörigen in das...

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