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Die Familie der Fürstin

Die herzoglichen Häuser der Pommern und Sachsen im 16. Jahrhundert: Erziehung, Bücher, Briefe

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Dörthe Buchhester

Die Familie der Fürstin beschreibt das Wirken Marias von Sachsen (1515–1583) als Herzogin von Pommern im Kreis ihrer Kernfamilie hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder, des Aufbaus der ersten nachgewiesenen pommerschen Hofbibliothek und des weitgespannten Netzwerks von Korrespondenzen. Bezogen auf die Bereiche Erziehung, Bücher und Briefe werden die Handlungsspielräume einer bisher kaum wahrgenommenen Fürstin im Reformationszeitalter in ihrem Wirken für ihre Familie transparent. Dabei arbeitet Dörthe Buchhester unter anderem die Möglichkeiten eigenhändiger weiblicher Korrespondenz unter Anwendung der Systemtheorie von Niklas Luhmann heraus.
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1. Einführung: Erziehung und Schrift

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1.Einführung: Erziehung und Schrift

Vorstellungen von der Erziehung der Söhne wurden bereits vor 1500 verschriftet, zu Beginn des 16. Jahrhunderts nahm das Erziehungsschriftgut jedoch deutlich zu. Dabei treten verschiedene Textsorten auf, neben eigenständigen Erziehungsordnungen können diese auch Bestandteil von Hofordnungen sein, dazu kommen Gutachten und Instruktionen für Erzieher beziehungsweise Zöglinge. Boehm versteht unter diesen fürstlichen Erziehungsinstruktionen nichtliterarisches, aus der privat-höfischen Sphäre und Praxis entstandenes Material162, das einen Eindruck vom weltanschaulichen Selbstverständnis der fürstlichen Dynastien und ihren tradierten Leitbildern vermittelt.163

Das Einsetzen einer entsprechenden Überlieferung und die damit einhergehende Institutionalisierung von Erziehungsanweisungen lassen sich mit der Anpassung an gewachsene Bedürfnisse des Herrschers gemäß dem neuen humanistischen Fürstenideal und der damit verbundenen allgemeinen Tendenz zur Verschriftung erklären.164 Die zunehmende Verschriftung der verschiedenen Lebensbereiche im Verlauf des 16. Jahrhunderts erfasste auch die Organisation der höfischen Erziehung.165

Mit Ausnahme einer auf den Beginn des 16. Jahrhunderts datierten Gesandteninstruktion zur Aufnahme Herzog Georgs am Heidelberger Hof166, setzt Schrifttum zur Erziehung am pommerschen Hof erst unter der Regierung Philipps I. ein und betrifft fast ausschließlich die männlichen Nachfolger.167 Bis 1500 liegen nur singuläre, meist knappe chronikalische Nachrichten vor. Auffällig ist die Zunahme und Spannbreite von Texten zum Thema Erziehung ab den 1540er Jahren. Sowohl als wesentlicher Bestandteil der Hofordnungen, in denen die Erziehung und Ausbildung der Prinzen vor allem unter normativen Aspekten betrachtet wird, in eigenständigen Ordnungen, Instruktionen und Gutachten,...

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